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Versteht man unter Szientismus die Überzeugung, daß nur wissenschaftliche Methoden zur Wahrheit führen, kann es wohl keinen Zweifel daran geben, daß Freud stets szientistische Auffassungen vertreten hat. Für ihn steht außer Frage, daß der Wahrheitsanspruch der Psychoanalyse an ihre Wissenschaftlichkeit gebunden ist. Eigentliche Wisssenschaft ist in seinen Augen aber nur die Naturwissenschaft und ihr empirisches Forschungsverfahren, dem sich die Psychoanalyse vorbehaltlos unterzuordnen hat. Freud achtet streng darauf, sich in den methodologisch gezogenen Grenzen der Naturwissenschaft zu bewegen. Seine Abgrenzung des wissenschaftlich gewonnenen Wissens, das sich aus Tatsachenfeststellung und Ursachenforschung ergibt, gegen Religion, Philosophie und Kunst, ist getragen von einer empiristischen Auslegung der Naturwissenschaft und einem ihr eingeschriebenen Physikalismus, der alles Wirkliche angemessen in physikalischer Sprache ausdrücken zu können glaubt. Das szientistische Bewußtsein, das er sich in seiner ärztlichen Ausbildung zueignet, beruht auf dem unerschütterlichen Vertrauen darauf, daß es für alles eine natürliche Kausalerklärung gibt. Schon als Student versteht er sich als „gottloser Mediziner und Empiriker“1, der Wissenschaft und Religion als unversöhnlich einander ausschließende Gegensätze ansieht. Sein materialistischer Atheismus wird nur kurz durch die Auseinandersetzung mit dem Theismus Franz Brentanos erschüttert2, von dem er sich aber bald abwendet, um sich endgültig einer für ihn unverbrüchlichen Einheit von Atheismus und Wissenschaft zu verschreiben, von der er niemals mehr abrücken wird.
Von den Abgrenzungen, die Freud vornimmt, is diejenige gegen die Religion für ihn gewiß am bedeutsamsten. Sein Urteil über sie ist vernichtend. „Das Ganze ist so offenkundig infantil, so wirklichkeitsfremd, daß es einer menschenfreundlichen Gesinnung schmerzlich wird zu denken, die große Mehrheit der Sterblichen werde sich niemals über diese Auffassung des Lebens erheb