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Es heißt, Freud habe gegenüber der Presse stets Abstinenz geübt. Unter dieser Voraussetzung mag es nicht wundern, daß die einschlägigen Freudbibliographien nur wenige Informationen zu den Textsorten Interview und Gesprächsbericht liefern. Während Alexander Grinstein in seiner bibliographischen Arbeit1 keinen derartigen Text verzeichnen konnte, bietet die Freud-Bibliographie von Ingeborg Meyer-Palmedo und Gerhard Fichtner immerhin schon einen Nachweis2 eines Freudinterviews. Die quellenkundlichen Forschungen der letzten Jahre haben unsere Kenntnisse auf diesem Gebiet jedoch beträchtlich erweitert. Mittlerweile sind in der Freudforschung ein Dutzend Interviews bekannt geworden.3
Unbekannt geblieben sind zwei Interviews, die hier erstmals dokumentiert werden. Das erste Interview erschien am 30. Oktober 1927 im Dortmunder „General-Anzeiger“, das zweite am 2. Juni 1929 in der Wiener Zeitung „Neues Wiener Tagblatt“.
Die Umstände und Parameter dieser Gespräche konnten ob der Quellenferne bislang noch nicht eruiert werden. Der Abdruck im „General-Anzeiger“ geht auf eine Publikation im „Temesvari Hirlap“ zurück. Diese rumänische Tageszeitung, die in ungarischer Sprache erschien, ist in deutschen Bibliotheken nicht zugänglich. Die mit rumänischen Bibliotheken und Archiven geführte Korrespondenz erbrachte kein positives Rechercheergebnis. So ließ sich weder der Erstdruck im „Temesvari Hirlap“ verifizieren, noch konnten Informationen über den Gesprächspartner und Autor des Interviews ermittelt werden. Der Druck im „General-Anzeiger“ geht auf den ungarischen Publizisten und Übersetzer Eugen Gömöri (d. i. Jenö Tamás Gömöri)4 zurück, der zeitweilig Mitarbeiter der „Wiener Allgemeinen Zeitung“ war. Gömöri ist auf dem deutschsprachigen Buchmarkt mit einer Veröffentlichung zum „Problem der Todesstrafe“5 hervorgetreten, in der er Stellungnahmen von u.a. Robert Musil, Stefan Zweig, Romain Rolland, Auguste Forel, Kurt Hiller, Eugen Relgis, Arnold Zweig und Theodor Lessing versammelte.
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