You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In den letzten Jahren gab es in den angelsächsischen Ländern ein neues Interesse unter den Psychoanalytikern für das Werk Otto Ranks, das außer dem Schlagwort vom „Trauma der Geburt“ wie vergessen erschien. Außerhalb der Psychoanalyse wurde Rank jedoch weiter rezipiert, wichtige Schriften von ihm waren in den USA immer erhältlich und der Pulitzer Preisträger Ernest Becker räumte ihm eine zentrale Stelle in der europäischen Geistesgeschichte ein. Die Gründe für das neue Interesse am Werk Ranks liegen parallel zu dem Interesse am Werk Ferenczis. Beide haben in der unmittelbaren Auseinandersetzung mit Freud die Dimension der frühen vorsprachlichen Mutterbeziehung der Psychoanalyse erschlossen. Ihre Beobachtungen und der Gang dieser Auseinandersetzung versprechen fruchtbare Anregungen zu einer Klärung von grundlegenden Gesichtspunkten der Psychoanalyse. Während Ferenczi jedoch wegen seiner verbindlicheren Art und mehr klinischen Orientierung, vermittelt vor allem durch seinen Schüler Balint, dem Feld der Psychoanalyse verbunden blieb, kam es mit dem systematischeren und gedanklich entschiedeneren Rank zu Abgrenzungskonflikten, durch die er aus dem Blickfeld der Mainstream-Psychoanalyse geriet. Bücher wie „The Legacy of Rank“ von Esther Menaker und der von Peter Rudnytsky herausgegebene Sonderband zu Rank der American Imago und Artikel in den verschiedenen Zeitschriften belegen das genannte neuerliche Interesse. Darum war die 1985 erschienene Biographie von E. James Lieberman „Acts of Will - Life and Work of Otto Rank“, die nun in deutscher Übersetzung vorliegt, ein Verkaufserfolg und erschien deshalb in zweiter Auflage Anfang der 90er Jahre. Eine Übersetzung ins französische kam im letzten Jahr heraus.
Nach der Lektüre der Traumdeutung hatte der geistig überaus rege, aufgeschlossene und hochbegabte junge Rank eine Psychologie des Künstlers auf psychoanalytischer Grundlage entwickelt und führte sich mit diesem Manuskript, durch Alfred Adler vermittelt, bei Freud ein. Dies