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August Aichhorn wird gewöhnlich der Geschichte der psychoanalytischen Pädagogik zugerechnet, in der er, neben Oskar Pfister, Siegfried Bernfeld, Heinrich Meng, Ernst Schneider, Fritz Redl und Hans Zulliger zu den verdienten Gründungsgestalten gerechnet wird, deren Arbeiten heute kaum noch ein Analytiker kennt. Was hat sein Name dann in einem Band zu suchen, der ausdrücklich der Geschichte der Kinderanalyse gewidmet ist, die durch so prominente Namen wie Anna Freud, Melanie Klein, Margaret Mahler, Donald Winnicott und Françoise Dolto dem analytischen Bewußtsein gegenwärtig ist? Man könnte sich darauf berufen, daß Aichhorn, der sich selbst stets als einen Pädagogen, nie als Psychoanalytiker bezeichnet hat, in Wahrheit doch ein Analytiker, sogar Lehranalytiker und Obmann der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) war.1 Über Aichhorns im engeren Sinn analytische Arbeit wissen wir aber so gut wie nichts weder in seinen veröffentlichten Schriften noch in seinem Nachlaß finden sich nennenswerte Beiträge oder Aufzeichnungen dazu. Wir wissen nur, daß Aichhorn sowohl Jugendliche wie Erwachsene in Analyse hatte, aber das genügt natürlich nicht, ihm einen Platz in der Geschichte der Kinderanalyse einzuräumen. Wenn Aichhorn darin dennoch einen Platz bekommen soll und, wie ich meine, auch muß, dann nicht wegen seiner kinderanalytischen, sondern wegen seiner, sagen wir fürs erste: analytisch-pädagogischen Beiträge, deren Stellung und Bedeutung zu seiner Zeit ganz anders eingeschätzt wurde als heute.
Wir nehmen es, gerade in Deutschland, heute wie selbstverständlich hin, daß die analytische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Grunde etwas Zweitrangiges ist, das in den etablierten analytischen Instituten praktisch keine Rolle spielt. Und die psychoanalytische Pädagogik scheint heute gänzlich eine Sache der Universitäten zu sein, fernab von den analytischen Ausbildungsstätten. Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Situation ganz anders: Kinderanalyse und Psychoanalytische Pädagog