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Liegen die Ursprünge der Kinderanalyse nun auch über acht Jahrzehnte zurück, so hat diese Thematik nichts von ihrer Sprengkraft im psychoanalytischen Diskurs im positiven wie im negativen Sinne eingebüßt, wie die Beschäftigung mit ihrer Entwicklung zeigt.
Im folgenden soll der Schwerpunkt auf die Zeit nach 1945 gelegt und der Frage nachgegangen werden anhand von Untersuchungsergebnissen einer vergleichenden Textanalyse von Anamnesen, wie besonders Psychodynamik und Diagnose sich über einen Zeitraum von 20 Jahren im Kontext psychoanalytischer Theorieentwicklung und historisch-institutioneller Bedingungen verändern und Einfluß auf das Berufsbild und das Selbstverständnis, damit die Identität der jetzigen analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (aKJP) genommen haben und weiterhin nehmen werden.
Da diese Entwicklung ihrerseits in komplizierten Wirkungsbezügen steht, die zur Einbettung der Ausbildung in die Rahmenbedingungen eines psychoanalytischen Institutes gehören, wie Brede (1993) und Molitor beschrieben haben, sei zunächst auf die Geschichte des Instituts für Psychotherapie e. V. Berlin, das als „Keimzelle“ späterer entsprechender Institute angesehen werden kann, eingegangen.
a) Im Mai 1945 wurde von Schultz-Hencke und Kemper in Zusammenarbeit mit anderen Berliner Analytikern das Institut für Psychopathologie und Psychotherapie gegründet, das 1946 von der Versicherungsanstalt Berlin als Zentralinstitut für psychogene Erkrankungen übernommen wurde. Hieraus entwickelte sich 1947 als eigenständige Einrichtung das Institut für Psychotherapie e. V. als Ausbildungsinstitut für Erwachsenenpsychotherapeuten und den neu konzipierten Beruf des Psychagogen.2