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Der innerpolitische Umschwung, der sich zurzeit in Deutschland vollzieht, wird sich in seinen Folgen bald auch auf dem Gebiet des Unterrichts bemerkbar machen. Es erscheint also berechtigt, Forderungen, die an eine Reform des Unterrichts zu stellen sind, jetzt anzumelden, damit die Vorschläge nicht zu spät kommen. Die von mir heute vertretene Forderung bezieht sich nicht, wie die meisten, die jetzt in der Öffentlichkeit erörtert werden, auf die Unterrichtsmethode, sondern auf die Notwendigkeit, ein neues Fach in den Unterricht an der Universität einzuführen, und zwar zugleich in zwei Fakultäten, in die philosophische und in die medizinische, das Fach der Psychoanalyse.
Einer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, warum diese neue Lehre bisher an den Universitäten Deutschlands nicht vorgetragen wurde, bedarf es kaum. Es möge ein Hinweis darauf genügen, mit welchen Schwierigkeiten und Gegenströmungen alle neuen Erkenntnisse zu kämpfen hatten, und daß der Kastengeist in unsern Gelehrtenkreisen Neues nicht gern aufkommen ließ. Ein besonderer Grund liegt im übrigen in der Lehre selbst, die mit vielen Illusionen und lieb gewordenen Vorurteilen aufräumt und somit den oberflächlichen Denker vor den Kopf stößt. Es soll aber ausdrücklich erwähnt werden, daß in Wien, von wo die Lehre ausgeht, und in Zürich, sie schon jahrelang vor dem Kriege an der Universität vertreten ist, daß sie in Amerika und in Holland an mehreren Universitäten gelehrt wird, daß die Budapester Studenten die Einführung des psychoanalysischen [!] Unterrichts in der Revolution gefordert und durchgesetzt haben. - Nach dem Gesagten allein mag meine Forderung berechtigt erscheinen. Bedenkt man aber, wie sehr sich unser Leben jetzt ändern wird, wie sehr wir auf Geistestätigkeit angewiesen sein werden, so begreift man, daß kein Förderungsmittel auf diesem Wege, besonders kein so wichtiges, weiter vernachlässigt werden darf.
Warum ich die Psychoanalyse für so wichtig halte, sollen die folgenden Zeilen begründen.