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Das Buch widmet sich, wie die beiden Autorinnen schreiben, einem der beständigsten Vorurteile aus der Frühgeschichte der Psychoanalyse: Daß Sigmund Freud und die von ihm begründete neue Lehre der Psychoanalyse von der Wiener Öffentlichkeit ignoriert worden seien. Erweitert meint dies im Sinne des nämlichen Vorurteils auch, daß Ausnahmen von dieser Regel immer bedeuteten, daß die Psychoanalyse, wenn sie denn einmal Gegenstand der Print-Medien war, feindselig und aggressiv behandelt worden sei.
Was erhofft man sich von einer Studie, die Aufklärung ins Dunkel dieses Vorurteils bringen möchte? Zunächst vielleicht eine - auch quantitative - Auswertung in bezug darauf, ob sich dieses Vorurteil bestätigen läßt, und wenn ja, auf welcher Grundlage es steht. Vielleicht auch, inwieweit die Betroffenen selbst an der Entstehung dieses Urteils oder Vorurteils beteiligt waren. Nicht zuletzt wünscht man sich von einer Studie, die die Rezeption der Psychoanalyse Sigmund Freuds in der Wiener Öffentlichkeit untersucht, aus historisch-wissenschaftlichem Blickwinkel, daß diese Öffentlichkeit klar definiert wird. Mit gewisser Neugierde erwartet man vielleicht Verteidigungen und Klarstellungen seitens der Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytiker ebensosehr, wie bereits Bekanntes oder Neues von Dissidenten, Eklektikern und erklärten Feinden der Psychoanalyse. Karl Kraus wird mit von der Partie sein, vielleicht auch der etwas weniger bekannte, forensische Psychiater Emil Raimann? Ist die Affäre Reik ein Thema in der damaligen Presse - und der Mord an Hermine Hug-Hellmuth?