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Wissenschaftshistoriker haben sich seit einigen Jahren verstärkt dem Studium von Organisationen und Institutionen zugewandt und dabei erhellende Einsichten gewonnen, wie „äußere“ Rahmenbedingungen auf „innere“ Spannungsverhältnisse und die Entwicklung von Theorie und Methode wirken. In diesem Sinne hat sich Douglas Kirsner, ein Philosoph und Ideenhistoriker der Deakin University, Australien, der psychoanalytischen Disziplin zugewandt und deren Institutions- und Organisationsgeschichte am Beispiel prominenter Ausbildungsinstitute in den USA untersucht. Über zwei Jahrzehnte hinweg hat er deren Strukturen und politische Verhältnisse nachgezeichnet und dabei innere Verstrickungen aufgerollt, die zu Zerwürfnissen und Spaltungen geführt haben. In seinem Buch reflektiert er, welche Folgen die Geschichte der Psychoanalyse als Spaltungsgeschichte für die Ausbildung hat.
Ausgangspunkt seiner Untersuchung sind die folgenden Fragen: Warum ist die Psychoanalyse heute (vor allem in den Vereinigten Staaten) in eine derartige Krise geraten? Wie kann eine Organisation bzw. ein Ausbildungsinstitut nach außen als aufgeklärte Wissenschaft auftreten, wenn sie in ihrem Inneren selbst wie eine Religionsgemeinschaft organisiert ist? Warum geht die Anzahl der Patienten seit den siebziger Jahren konstant zurück, und warum verschwand das übliche Analyseformat mit vier bis fünf Stunden pro Woche? Warum ist Psychoanalyse in der Öffentlichkeit nicht mehr populär, und warum werden auch an geisteswissenschaftlichen Fakultäten klassisch psychoanalytische Theorien zunehmend von postmodernen Konzepten abgelöst?
Bekanntlich haben politische, wirtschaftliche und kulturelle Umstände und Entwicklungen in angrenzenden psychotherapeutischen Richtungen sowie die Psychopharmakologie dazu beigetragen, doch für Kirsner ist die Misere wesentlich im Aufbau der Institute und deren Ausbildungsgepflogenheiten begründet. Deshalb konzentriert er sich auf die Rolle der Analytiker in der Ausbildung und Verwaltung der Aus