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Ähnlich wie im berühmten Film „Titanic“ geht es im vorliegenden Buch um eine Tragödie, die Vertreibung der Juden aus Europa, und um die Beschreibung einer verschwundenen Welt, und zwar die des jüdisch-deutschen Bildungsbürgertums der Vorkriegszeit. In der Tat hat Thomas Müller das Buch, dessen Grundlage seine medizinhistorische Dissertation darstellt, den Personen gewidmet, die ehemals mit der Psychoanalyse in Verbindung standen und die von nationalsozialistischen
Deutschen ermordet wurden (vgl. S. 5). Berlin, Prag und New York stellen die Stationen dar, in denen sich das schwierige und faszinierende Leben Henry Lowenfelds abspielte, und deren geschichtlichen, sozialen und kulturellen Rahmen der Autor genau wiedergibt. Aufgrund der vielen Gespräche mit Zeitzeugen und Bekannten Lowenfelds, die Thomas Müller führen konnte, erfahren wir auch viel über dessen Persönlichkeit und persönliche Art, mit dem eigenen Schicksal umzugehen. Genau beschrieben wird auch die Entwicklung seiner wissenschaftlichen Arbeit, die als ein musterhafter Beitrag zu einer kulturkritischen Psychoanalyse gilt - wie auch Lutz Rosenkötter in seinem Vorwort betont. Im folgenden werde ich den Inhalt des Buches zusammenfassen und dadurch die wichtige Rekonstruktions- und Trauerarbeit, die der Autor damit zustande gebracht hat, würdigen.
Henry Löwenfeld wurde in Berlin-Charlottenburg am 20. Juni 1900, in der Mitte der „Wilhelminischen Ära“, als drittes der vier Kinder einer bedeutenden „liberalen“ jüdischen Familie geboren. Die prägende Wirkung, die der Vater Raphael auf ihn ausübte, stellt den Kern dessen dar, was wir über seine Kindheit und Jugend erfahren. Schon während seiner Aktivität als Lektor für polnische und russische Sprachen an der Friedrich Wilhelms-Universität zu Breslau in den Jahren 1884/1887 hatte der Vater als Journalist, Schriftsteller und Verlagsleiter gearbeitet. In Berlin wurde er einerseits Herausgeber der „Gesammelten Werke“ von Leo Tolstoi, und gründete andererseits im Jahr