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Obwohl es Tradition dieser kleinen und in Deutschland wohl einmaligen Tagung ist, keine Leitthemen vorzugeben, traf Christfried Tögel mit seinem Eröffnungsvortrag - Sigmund Freud - Leben und Werk: Verpflichtet sich der Biograph zur Lüge? - ziemlich genau ins Zentrum des diesjährigen Diskussionsschwerpunktes. Kenntnisreich schlug er einen Bogen von den grundsätzlichen Problemen der Biographik, die immer Gefahr läuft, auf dem schmalen Grat zwischen Verklärung und Verurteilung zur einen oder anderen Seite abzustürzen. Tögel demonstrierte dies am Beispiel der Freud-Biographen, die er entweder dem Lager der Freud-Anhänger oder der Mythenstürmer und Ankläger meinte zuordnen zu können. Überraschung und Irritation riefen dann vor allem sein Rehabilitationsversuch der umstrittenen Freud-Biographie von Jones und die Zusammenfassung einer bisher unveröffentlichten Arbeit von Swales hervor, während die Ungereimtheiten in Israels diversen Publikationen nur zustimmendes Kopfnicken bewirkten. Tögels Resümee, Biographen müssen nicht lügen, leitete die anschließende Diskussion ein, in der zunächst Wert darauf gelegt wurde, nicht den Unterschied zwischen Fakten und Interpretationen zu verwischen. Gerade das Persönlichste, nämlich die Gefühle und Motive des Protagonisten, müssen dem Biographen mehr oder weniger verschlossen bleiben. Entsprechende Bemerkungen sagen deswegen oft mehr über den Verfasser und seine Motive aus. Festgestellt wurde aber auch die besondere Bedeutung der Kenntnis des kulturhistorischen und sozialen Kontextes. Angesichts des von Swales aufgeworfenen Vorwurfs, Freud habe bei der Analyse des Namenvergessens von Boltraffio die Unwahrheit gesagt, machte sich dann doch hier und da eine gewisse Beunruhigung breit, die auch durch Tögels beschwichtigende Bemerkungen nicht ganz ausgeräumt werden konnte. So mußte erst einmal offen bleiben, ob Freud hier - wie Tögel meinte: in der Tradition der Gedankenexperimente stehend - eine tatsächliche oder konstruierte Assoziationsk