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Budapest haben wir zuletzt in Gloomy Sunday gesehen, ein Film, der nicht nur die hohe Selbstmordrate der Ungarn, sondern auch die wenig fröhliche Geschichte der Stadt ins Bild rückte. In dieser Stadt gab es zwei Generationen Glanzzeit, vor 1850 war nichts, nach 1918 nur noch viel zu groß geratene Gebäude, Puszta und Dörfer, kein Potential um so eine Stadt am Laufen zu halten. Die Gebäude sprechen überwiegend die heute zumindest in Ungarn ausgestorbene Sprache nationaler Rhetorik. Mit Sprachen hat dieses Volk, dessen Sprache niemand versteht, Erfahrung. Franz Fühmann notiert in seinem Budapester Tagebuch: „Die ungarische Übersetzungskultur ist bewundernswert; Nachdichtungsarbeit gehört zum selbstverständlichen Werk eines ungarischen Lyrikers.“ Für sie gilt nur in eingeschränktem Maße Wittgensteins „furchtbares Wort“: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Allerdings haben laut Fühmann auch die Ungarn per Sprache die probate Methode praktiziert, den inneren Gegner mit dem verhaßten äußeren Feind gleichzusetzen: Kruzitürken sei eine Zusammenziehung von Kuruzen und Türken.
Einzig die Sprache, die Grammatik macht uns zum Menschen. Insbesondere Zukunftsformen wie das vollendete Futur (das wird geschehen sein, wenn …) eröffnen uns innere Möglichkeiten zur Reflexion und Selbstbeobachtung, meint der holländische Psychoanalytiker Bien Filet und findet es in diesem Zusammenhang aufschlußreich, daß der beliebte Schlager „Que sera sera“ aus den späten fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach dem Einmarsch der russischen Truppen in Ungarn von der Kommunistischen Partei mit der Begründung verboten wurde, daß die Zukunft der marxistischen Lehre zufolge keineswegs ungewiß sei. Ungarn verdanken wir, daß der Bolschewismus, dieses „Ultimatum Gottes an die Menschheit“ (Sandor Márai) zum Einsturz gebracht wurde. Anders als der wissenschaftliche Sozialismus kann die Psychoanalyse niemandem eine sichere und glänzende Zukunft garantieren, sie feit nicht gege