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Die freundliche Einladung zu diesem Bericht gibt mir die Möglichkeit, nach Herzenslust in die eigenen Erinnerungen hinabzutauchen, frei zu assoziieren und wilder zu denken - wenn man das als disziplinierter Humanwissenschaftler heutzutage nicht verlernt hat. Eine seltene Gelegenheit. Gerade beschäftige ich mich wissenschaftlich mit den therapeutischen Möglichkeiten des Lebensrückblicks oder der Lebensbilanz. Als psychotherapeutische Technik bei Depressiven benutzt, zeigt die sogenannte Life-Review-Technik eine hohe Effektstärke von 1,0 in randomisierten Kontrollgruppenstudien (alle Effekte über 0,8 sind statistisch gesehen sehr hoch). Sich zu erinnern, verändert. Und nun kann ich die Methode auf mich selbst anwenden! Eine kluge Kollegin, Ursula Staudinger, hat kürzlich den Lebensrückblick als Erinnerung plus Reflexion konzipiert.1 Diese Kombination soll im folgenden versucht werden.
Wovon genau soll dieser Rückblick handeln? Von drei Dingen: Von der ersten und letzten Psychoanalytiker-Konferenz im damaligen Ostblock 1987 in Budapest; von meinen Erinnerungen an die Psychotherapie-Szene der DDR in den letzten Jahren vor der Wende und von meinen Reflexionen, warum ich dann doch nicht Psychoanalytiker geworden bin sondern Kognitiver Verhaltenstherapeut.
Es scheint verwunderlich zu sein und ist es doch wieder nicht, daß die Psychoanalyse im ehemaligen Ostblock eine unerlaubte Angelegenheit war. Dies hatte wohl mit den ideologischen Auseinandersetzungen im Europa der 20er Jahre zu tun, als die kommunistischen Parteien sich ganz auf einen nüchternen, engstirningen Marxismus beschränkten und sich trotz verschiedener Annäherungsversuche einzelner Psychoanalytiker nicht mit der schillernden und bourgeoisen Psychoanalyse anfreunden konnten. Jedenfalls galt die Psychoanalyse bekanntlich diesen Parteien nach dem Zweiten Weltkrieg als „bürgerliche Scheinwissenschaft“ oder schlichtweg