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Als mich mein Vater kurz nach meiner Geburt zum ersten Mal sah, sprach er: „Der wird einmal studieren!“
Das war 1957 in Berlin, Hauptstadt der DDR. Mein Vater war Psychologe. 19 Jahre später, im September 1976, trat ich zum Studium der Klinischen Psychologie an der Berliner Humboldt-Universtät an. Es war nicht gerade leidenschaftliche Zuneigung zu diesem Fach, auf Grund derer ich mich für diese Studienrichtung beworben hatte. Was ich vom Leben wollte, wußte ich nicht, wo meine besonderen Stärken lagen - ob ich überhaupt welche hatte, die sich sinnvoll zu einem Beruf machen lassen könnten - war mir nicht klar. Aber durch einige Fachbücher meines Vaters, die ich gelesen hatte, glaubte ich wenigstens im klaren darüber zu sein, was im Psychologie-Studium auf mich zukommen würde: Wissen über die menschliche Psyche.
Diese Erwartung jedoch stellte sich zunächst weitgehend als Irrtum heraus: Mathematik, Methodik, Statistik, Diagnostik, Humanbiologie, Allgemeine und Entwicklungspsychologie bildeten die ersten zwei Studienjahre lang die Grundpfeiler der Ausbildung - sowie Marxismus-Leninismus. (Letzterer fehlt heute selbstverständlich im Psychologie-Grundstudium der Humboldt-Uni - siehe . Ansonsten zeigt sich dort: Eine Psychologenausbildung, in der die Psyche selbst nur eine Nebenrolle spielt, war keine spezielle Sünde des Sozialismus.)
Ganz offenbar sollten wir als erstes vor allem lernen, „wissenschaftlich“ zu denken. Statt zu begreifen, quantifizierte ich, als Ersatz für Erleuchtungen erwarteten mich Signifikanzen.
Lange Zeit später entdeckte ich zwar, daß zumindest das „methodische Denken“ durchaus Parallelen hatte zu meinem Bedürfnis, Sachen vom Grunde auf zu verstehen. Nur: Damals interessierte mich das alles überhaupt nicht.
Selbst im sich anschließenden klinischen Fachstudium kam mir das meiste, was ich zu hören bekam, ziemlich abstrakt, blutleer vor. Das dürfte allerdings auch zu tun gehabt haben mit meiner wachsenden Abneigung gegen das Studium.
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