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Meine Überlegungen möchte ich am Beispiel einer seit neun Jahren bestehenden gemeinsamen Supervisionsgruppe entwickeln, da sich hier, wie wir erstaunt festgestellt haben, sehr vieles vom gesamtgesellschaftlichen Vereinigungsprozeß zeigt. Ich werde drei Aspekte untersuchen und beschreiben:
den „Gründungsmythos“
die besondere Arbeitsweise der Gruppe
Erkenntnisse und Hoffnungen.
Ich werde also von individueller Freiheit erzählen, die es auch in so einem System, wie es die DDR war, gegeben hat, sonst existierte unsere Gruppe nicht, und auch davon, wie jede und jeder der Gruppe durch die entsprechende Sozialisation geprägt ist. Alle mußten wir die kränkende Einsicht hinnehmen, nicht nur Individuum sondern auch - in diesem Falle typisch ostdeutsch oder typisch westdeutsch - zu sein.
Es gab im wesentlichen drei Begegnungsebenen: die fachliche, die persönliche und die gesellschaftspolitische Ebene mit ihren bewußten und unbewußten Anteilen. Auf diese Ebenen werde ich mich im folgenden beziehen.
Der Anfang war der Gesellschaftsabend der 2. Erfurter Psychotherapietagung 1987. Der Aufbruchstimmung seit Gorbatschow war es zu verdanken, daß dies eine Tagung war, bei der es erstmalig möglich wurde, mit westdeutschen Kolleginnen und Kollegen unkompliziert in Kontakt zu kommen. Durch einen glücklichen Zufall setzte sich Frau Munzinger mit ihrer Nichte zu einem Hallenser Kollegen und mir an den Tisch. Wir kamen sofort intensiv miteinander ins Gespräch. Aus heutiger Sicht kommt es mir so vor, als wären wir und auch andere bei dieser Tagung, die Vereinigung unbewußt voraus ahnend, schon von beiden Seiten aufeinander zugegangen.