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Die seit 1991 bestehende Kommission West-Ost der DPV veranstaltet seit 1993 jährlich im September ein dreitägiges Symposion in der Burgklinik Stadtlengsfeld. Der Grundgedanke war, eine Plattform zu schaffen, die es psychoanalytisch bzw. tiefenpsychologisch orientierten Therapeuten aus den alten und den neuen Bundesländern ermöglicht, einander persönlich und in ihrer Arbeit kennenzulernen. Das Interesse der westlichen Kollegen bestand anfangs vor allem darin, etwas über das Leben und die Psychotherapie in der ehemaligen DDR zu erfahren, aber auch psychoanalytische Erfahrung zu vermitteln. Die östlichen Teilnehmer waren neugierig auf die West-Kollegen und deren Arbeitsweise und stellten ihre Fälle zur Diskussion, auch in dem Wunsch, kompetente analytische Supervision zu bekommen, wofür es damals vielerorts noch kaum Gelegenheit gab. Hier ging es immer wieder darum, lernen zu können und zu müssen, ohne beschämt zu werden. Angesichts der fundierten psychoanalytischen Ausbildung der Westdeutschen, die im Osten niemand hatte erwerben können, gab es unsererseits natürlich auch Unterlegenheitsgefühle und Neid bzw. Idealisierungen sowie Ängste, entwertet zu werden. „Vielleicht wird man sagen können, daß der Erfahrungsvorsprung der Londoner für die West-Kollegen - samt Neid und (in dessen Abwehr) Idealisierung - etwa dem entspricht, was die West-Kollegen für die Ost-Kollegen darstellen“ (Christoph Ertle in seiner Zusammenfassung der Arbeit der Gruppe 6 im Tagungsband von 1996, S. 122). Die Ost-Kollegen erwarteten von den westdeutschen Teilnehmern aber auch gleichermaßen eine ganz persönliche Reflexion der aktuellen Ost-West-Thematik.
Die Tagungen begannen jeweils am Freitagabend mit einem gemeinsamen Imbiß. Es folgte ein Vortrag mit anschließender Diskussion, am Samstagmorgen ein zweiter. Grundsätzlich wurde einer der Vorträge von einem West-Kollegen gehalten, der andere von jemandem aus dem Osten. Danach fand man sich in Arbeitsgruppen von 10-12 Personen zusammen, die miteina