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„Uchtspringe“ wird für die Leser aus dem Westen ein böhmisches Dorf sein. Für Psychotherapeuten der ehem. DDR hingegen ist dieser Name nicht nur der eines Dorfes in Sachsen-Anhalt, sondern Inbegriff für eine der Geburtsstätten der psychoanalytisch orientierten Einzelpsychotherapie, die sich mit den Namen Harro Wendt und Infrid Tögel verbindet. Bereits 1964 hatte sich Wendt in die Klinik Uchtspringe zurückgezogen, um den wohl fruchtlosen Auseinandersetzungen mit Müller-Hegemann zu entkommen und in der Abgeschiedenheit der Magdeburger Börde das aufzubauen, was seiner Ansicht nach als Ergänzung zur Dynamisch orientierten Gruppentherapie von Höck sinnvoll, notwendig und machbar war.
Voller Spannung machte ich mich auf nach Uchtspringe, genoß den sonnigen Herbsttag, unbeschwert, weil ich noch nicht wußte, daß ich viel später gebeten werden sollte, einen „Bericht“ zu verfassen, der, mangels Mitschrift, subjektiv und lückenhaft ausfallen muß. Meine Neugier war gefärbt durch meinen eigenen Weg zur Psychoanalyse, der - obwohl diesseits der Mauer in West-Berlin - viel mit der Entwicklung in der DDR zu tun hatte: Studium der Psychologie am Holzkamp-Institut, intensives Studium der „sowjetischen“ Psychologie von Leontjew, Rubinstein und natürlich auch Pawlow, der, wie heute bekannt ist, fälschlich zur sowjetischen, sprich marxistisch-leninistischen Psychologie geschlagen wurde; dann folgten redliche Bemühungen, mich mit der Verhaltenstherapie anzufreunden, und nach dem Versuch, in der „Sozialpsychiatrie“ eine wissenschaftlich und politisch befriedigende Heimat zu finden, schließlich - über die Erlebnisse in einer analytisch orientierten Selbsterfahrungsgruppe - der Weg zur Psychoanalyse, die mich seitdem beheimatet. Mit diesem biographischen Hintergrund lag die Hoffnung nicht fern, auf Kollegen zu treffen, die eine ähnliche Entwicklung, allerdings jenseits der Mauer, in der DDR, durchlaufen hatten und darüber in einen Gedankenaustausch zu kommen - eine realitätsferne Illusion, w