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Das umfangreiche Buch der Psychoanalytikerin-West Regine Lockot und der Kinder- und-Jugend-Psychotherapeutin-Ost Heike Bernhardt liefert im Anhang bereits eine spannende Chronik über wenig bekannte Ereignisse der psychoanalytischen Bewegung auf dem Boden der heutigen neuen Bundesländer: 1893 begann Otto Binswanger in Jena nach der kathartischen Methode von Breuer und Freud zu arbeiten (381). 1910 wurde die Berliner Ortsgruppe der IPV von 10 Mitgliedern gegründet, darunter auch vier, die in Pommern, Sachsen oder Thüringen lebten (381). 1927 schloß sich die Leipziger Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft dem Berliner Psychoanalytischen Institut (BPI) an (384). Im Dezember 1935 erfolgte der erzwungene Austritt der Juden aus der DPG (384). 1936 löste sich die Leipziger Arbeitsgemeinschaft gänzlich auf, das Berliner Psychoanalytische Institut wurde zum Deutschen Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie („Görlng-Institut“, 385) umgeformt.
Die „Unvereinbarkeit von psychoanalytischer Praxis und nationalsozialistischer Herrschaft“ (Bernhard Kamm, 419) ist heute wohl unumstritten. In der Sowjetunion hat es laut o. g. Chronik spätestens ab 1936 keine Psychoanalyse mehr gegeben (385). Schwieriger ist jedoch die Frage zu beantworten, ob es in der DDR Psychoanalyse gegeben hat. Sie ist eine zentrale Frage des vorliegenden Buches, wenn sie auch andernorts schon diskutiert (Diederichs, 1998) oder als sinnvolle Frage überhaupt verworfen worden ist (Froese, 1999).
Gab es wenigstens eine psychoanalytische Tradition, die irgendwie in der DDR fortlebte?
Die ersten beiden Kapitel-Überschriften des vorliegenden Buches legen eine verneinende Antwort nahe: „Gekappte Wurzeln …“ und „ideologische und faktische Verneinung der Psychoanalyse“.
Die Herausgeberinnen beginnen das Vorwort mit einem Zitat aus dem Festvortrag zu Freuds 70. Geburtstag, den der bekannte Schriftsteller und Nervenarzt Alfred Döblin 1926 hielt: „Freud ließ sie (die menschliche Seele,