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Bisher wurde dem Thema „Psychoanalyse und Studentenbewegung“ eher wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Und wenn, dann meist aus der Perspektive der psychoanalytischen Szene im Nachkriegsdeutschland, die ausgehend von den 60er Jahren eine Renaissance erleben konnte, als viele Protagonisten und Mitläufer der Studentenbewegung insbesondere in Frankfurt, Göttingen, Hamburg, Freiburg, München und Berlin Einzug in die psychoanalytischen Ausbildungsinstitute hielten. Was sie bei ihrem Gang in und durch diese Institutionen an Entwicklung und Verwandlung erfuhren, soll in diesem Themenheft aber nicht zur Diskussion stehen. Auch eine Psychoanalyse der 68er Bewegung soll nicht versucht werden. Stattdessen ruht unser Augenmerk auf der Psychoanalyse als kritischer Theorie des Subjekts und ihrem Gebrauch als Handlungsanleitung zur individuellen und gesellschaftlichen Emanzipation. Das heißt, es geht in erster Linie um einen Versuch zur Rezeptionsgeschichte der Psychoanalyse in der westdeutschen Studentenbewegung der sechziger und siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts. In diesem Heft steht die Psychoanalyse-Rezeption in Berlin im Mittelpunkt sowie die „Kritische Theorie“ als Eingangstor und Mittler einer hierzulande fast ausgerotteten und vergessenen Psychoanalyse.
Die Verteidigungsschrift von Alfred Lorenzer zum Peter Brückner-Prozeß wurde als Quellentext aufgenommen, um zu zeigen wie in der Endphase der Bewegung die Psychoanalyse selbst als kritische Aufklärungsmethode genutzt wurde. Die beiden Rezensionen wichtiger zeitgenössischer Literatur zur Studentenbewegung (Koenen und Kraushaar) tragen mit ihren weitergehenden Überlegungen zur Erhellung unserer Fragestellung bei.
Die außerhalb des Heftthemas angesiedelte psychiatriehistorische Glosse zu Kraepelin und ein Tagungsbericht vom Tübinger psychoanalysehistorischen Symposium beschließen das Heft.
Das Thema „Psychoanalyse und Studentenbewegung“ ist mit diesem Band natürlich noch längst nicht erschöpft. Da wir der Ansicht sind, daß es