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Für H.D.
Die Studentenbewegung wurde aus vielen Quellen gespeist. Es kommt auf den Blick an, ob man ihre Anfänge im Kampf gegen die atomare Bewaffnung1, ob in der Auseinandersetzung mit der Ordinarienuniversität oder im Protest gegen autoritäre Väter und sexuelle Unterdrückung sieht. Alles stimmt, und alles hing mit dem kaum überwundenen Nationalsozialismus zusammen, in den Eltern, Professoren und Politik verstrickt waren. Der Vietnamkrieg wurde zum eigentlichen Fanal. Kritik an den USA hatte sich mit einer Enttäuschung vermischt, die bodenlos war. Für die Studenten der frühen 60er Jahre, deren Kindheit in die erste Nachkriegszeit fiel, war Amerika schließlich noch wenige Jahre zuvor das Land ihrer Freiheitsträume gewesen. Im Aktionszentrum der Revolte stand immer der politische Protest. Dagegen wurde das Leben und Denken der protestierenden Studenten von existentiellen Themen beherrscht. Ohne den existentiellen Protest hätte es zwar kritische linke Studenten, aber keine Studentenbewegung gegeben.2
Der Spannbreite des Protests entsprach die Themenvielfalt der theoretischen Debatten. Am Anfang wurde viel gelesen und wenig orthodox interpretiert. Das Orientierungsbedürfnis war groß, nachdem alle Vorbilder versagt hatten. Frantz Fanon stand neben Sigmund Freud auf dem Bücherregal, beide waren gleich wichtig. Das änderte sich mit den Jahren. Die Neugierde verschwand zusammen mit den spielerischen Formen, selbst in Berlin, wo der kulturrevolutionäre Protest die Phantasie beflügelte und die Viva-Maria-Gruppe in einem nächtlichen Disput ihren Namen bekam.3 Die politischen Akteure und großen Redner im Audimax glaubten eine Entwicklung vom antiautoritären Protest zur politischen Opposition erkennen zu können. In Wirklichkeit setzte diese Entwicklung einen unendlichen Prozeß von Spaltungen in Gang. Im Zentrum der Revolte hatten Psychoanalyse und Therapie, Geschlechterfragen und Kindererziehung immer als zweitrangig gegolten.4 Nun wurde alles entmischt, die Frauen bildeten ihre