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„Wie oft noch wird Deutschland seine schwierige Vergangenheit bewältigen müssen? Wird das nie enden?“ So beginnt der englische Historiker und Deutschland-Kenner Timothy G. Ash seinen Essay1 über die „1968“-Debatte Anfang 2001, die er als „jüngsten rauschhaften Drang der Deutschen, sich heftig an die Brust zu schlagen, peinlichst genau sein Inneres zu erforschen und mit erhobenem Zeigefinger auf den anderen zu weisen“ diagnostiziert. Vergleiche man die drei in Deutschland geführten Vergangenheitsdebatten miteinander, seien sie, so Ashs Fazit, „der Reihe nach weniger gewichtig, weniger schwierig und weniger schmerzlich. Unterm Strich gesehen, ist die aktuelle Debatte, verglichen mit dem Nazi-Elefanten und dem Stasi-Bären eine Maus“. Ironisch besorgt fragt sich Ash zum Schluß, was denn die deutschen Intellektuellen in 20 Jahren tun werden, wenn es keine „schwierige Vergangenheit … die es zu bewältigen gilt“, mehr geben wird? „Wahrscheinlich werden sie sich eine ausdenken müssen“.
Solch kritisch-distanzierter Blick von außen ist wohltuend, wenn in aktuellen deutschen Debatten mal wieder alle Ebenen und Zeitbezüge durcheinander geraten.
Zur Erinnerung:
Im Bundestag wurde mit dem Außenminister (der gar kein 68er war, allenfalls ein 70er) exemplarisch für „die 68er“ abgerechnet. Er sollte sich nicht nur von seiner Vergangenheit als gewalttätiger Straßenkämpfer distanzieren, sondern - stellvertretend für die ganze APO - retrospektiv jegliche Gesellschaftskritik zurücknehmen, sollte (so die CDU-Vorsitzende) bekennen, daß die BRD vom ersten Tag an durch und durch demokratisch gewesen sei. Retrospektiv verweigerte er das zwar; bezogen auf die Gegenwart hat er den Forderungen insofern Tribut gezollt, als er aktuelle Gesellschaftskritik (an ökonomischen Ungerechtigkeiten der Globalisierung) als „abgestandenen linksradikalen Antikapitalismus“ abkanzelt.
Kurz darauf wurde dem Europa-Abgeordneten Cohn-Bendit ein 30 Jahre alter (immer öffentlich zugänglicher) Bericht über seinen Umgang