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Im Jahre 1957 erschien das Buch „Psychoanalyse und Daseinsanalytik“, verfaßt von Medard Boss . Es war dies die eigentliche Kampfschrift, mit der sich Boss vehement von der damals vertretenen Psychoanalyse distanzierte; einer Lehre, die er selbst nicht nur von Grund auf erlernt, sondern auch praktiziert und angewendet hatte. Zur Verdeutlichung dieses Sachverhaltes sei angeführt, daß er nebst seiner hohen Verehrung für Sigmund Freud eine Lehranalyse bei dem Psychiater Hans Behn-Eschenburg in der Schweiz absolvierte und sämtliche Stadien der psychoanalytischen Ausbildung der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse bis zu seiner Vollmitgliedschaft und Vorstandstätigkeit durchlief. Zuvor hatte er sich in London bei Ernest Jones am Londoner National Hospital for Nervous Deseases sowie in Berlin bei den Psychoanalytikern am Eitingonschen Institut weitergebildet; anschließend arbeitete er während eines Jahres an der Psychiatrischen Klinik Burghölzli in Zürich. Schließlich übernahm Boss die Leitung des privaten Nervensanatoriums Schloß Knonau von seinem Vorgänger Jakob Kläsi, dem nachmaligen Ordinarius für Psychiatrie und Direktor der Universitätsklinik Waldau in Bern. Neben Freud, den Boss 1925 als Student während eines Auslandsemesters in Wien kennengelernt hatte, näherte er sich 1938 dem Kreis um Carl Gustav Jung in Zürich an. Die daraus entstandene Arbeitsgemeinschaft erfuhr jedoch nach fast zehnjährigem Bestehen einen jähen Bruch, als Boss 1947 in seiner Habilitationsschrift „Sinn und Gehalt der sexuellen Perversionen“ die Berechtigung der Archetypenlehre angriff. Diese Schrift stand bereits unter dem Einfluß Ludwig Binswangers , dem sich Boss inzwischen mehr und mehr zugewandt hatte; entscheidend für diesen Wandel mochte wohl Binswangers Werk „Freuds Auffassung vom Menschen im Lichte der Anthropologie“ von 1936 gewesen sein, was für Boss eine ausgezeichnete Freud-Kritik darstellte. Außerdem wurde er von Binswanger auf Heideggers „Sein und Zeit“ aufmerksam gema