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Der britische Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald Woods Winnicott, geboren im vorletzten Jahrhundert, am 7. April 1896, seit über 30 Jahren tot, gestorben am 25. Januar 1971, was kann er uns heute in unserer so ungeheuer beschleunigten Welt überhaupt noch sagen? Zu seinen Lebzeiten spielt er in der psychoanalytischen Gemeinschaft lange eine eher randständige2, ‚zwischen den Stühlen‘3 sitzende, beargwöhnte und unverstandene4 Rolle, aber nach seinem Tod entfaltet sich überall in der Welt ein zunehmendes Interesse an seiner Arbeit5. Vielleicht gehört er zu jenen großen Geistern, die ihrer Zeit so weit voraus sind6, daß erst nach Jahren oder Jahrzehnten damit begonnen wird, ihre wirkliche Bedeutung richtig einzuschätzen?
Wie kann man sich einem Menschen und seinem Lebenswerk annähern, ein Bild von ihm entwerfen, ohne ihn in einen zu engen Rahmen hineinzupressen und damit seine Lebendigkeit abzutöten? Diese Frage, vor die uns eigentlich jede therapeutische und sonstige Begegnung mit einem anderen Menschen stellt, wird angesichts der Persönlichkeit von Winnicott besonders bedeutsam. Wer sich biographisch mit einem Menschen von seiner Vielschichtigkeit und Größe auseinandersetzen will, muß sich seinen Weg suchen zwischen der Scylla einer idealisierenden Hagiographie und der Charybdis einer ikonoklastischen Demontage7. Unvermeidlich wird das biographische Interesse jedes Autors besonders das ‚finden‘ und herausheben, was in einem Zusammenhang mit seiner eigenen Persönlichkeit und auch seinen unbewußten Themen und Konflikten steht. Ich bekenne mich also vorab zu meinem ‚subjektiven Faktor‘ (Ferenczi). Insofern kann ich nur in einer groben Skizze Umrisse meines Bildes von Winnicott entwerfen, das aber vielleicht den Leser dazu anzuregen vermag, sich auf seine eigene Weise sein Bild von ihm zu vervollständigen. Denn er ermuntert ähnlich wie Sigmund Freud8 Menschen, die sich für ihn und sein Werk interessieren, zur Selbständigke