You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Als Donald Winnicott 1945 in einem Vortrag in der British Psycho-Analytical Society über seine Arbeiten zur frühkindlichen emotionalen Entwicklung sprach, beschrieb er auch seine Arbeitsmethoden: „Ich werde nicht zuerst eine historische Übersicht geben und die Entwicklung meiner Ideen aus den Theorien anderer zeigen. So kann ich nicht arbeiten. Was passiert ist, daß ich dies und das, hier und da, sammele, mich an die klinische Arbeit mache, meine eigenen Theorien formuliere und dann, ganz zum Schluß, interessiere ich mich dafür einmal nachzusehen, wo ich was gestohlen habe. Vielleicht ist diese Methode nicht schlechter als irgendeine andere“ (1945).
Nina Farhi hat in einer Arbeit über die persönliche Tradition Winnicotts gesagt: „Donald Winnicott war die Verkörperung einer besonderen philosophischen Disposition, die beides, das Empirische und das Wissenschaftliche, schätzte.
Gleichzeitig trat sie für die romantische Tradition mit der Betonung von Freiheit und von Spontaneität der Ideen und des Ausdrucks ein“ (1993).
Diese persönliche Tradition hat Winnicott in seiner beruflichen Tätigkeit, in der er immer Pädiater und Psychoanalytiker geblieben ist, geprägt. Es mag von Interesse sein, daß sich seine Überlegungen zur frühen emotionalen Entwicklung aus seinen Behandlungen von tief regredierten, schwer gestörten borderline-psychotischen und psychotischen Erwachsenen-Patienten ergaben. Er hat immer betont, daß er sie nicht allein aus der Beobachtung von Säuglingen oder der Therapie von zweieinhalbjährigen Kleinkindern hätte entwickeln können. Dennoch muß die Frage gestellt werden, ob nicht bereits zu dieser Zeit seine mehr als zehnjährige intensive Erfahrung mit Müttern und ihren Säuglingen eine wesentliche Rolle bei seinen feinen Gegenübertragungsreaktionen auf die nicht-verbalen Kommunikationen dieser schwer gestörten Patienten gespielt hat.
Winnicotts Arbeiten haben bis zum heutigen Tage sehr gemischte Reaktionen ausgelöst. Sie werden einerseits gelobt für ihre Originali