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Als Freud 1930 von der Stadt Frankfurt der Goethepreis verliehen wurde, unterstrich dies nicht nur die literarischen Qualitäten seiner Krankengeschichten, sondern auch das epochale Verhältnis zwischen Psychoanalyse und Literatur. Inzwischen gehört psychoanalytisches Gedankengut zum basalen kulturellen Gemeinwissen, mit quasi „folkloristischen“ Zügen. Diesen kulturhistorischen Wurzeln nachzuspüren hatte sich Thomas Anz in seinem Vortrag - Psychoanalyse und literarische Moderne. Zu den Anfängen einer dramatischen Beziehung - zur Aufgabe gemacht und war reichlich fündig geworden. Im Zeitalter des Subjektes und seiner Identitätsprobleme (Stichwort: der innere Kampf) kommt der Psychoanalyse in Theorie und Praxis eine beinahe gyroskopische Funktion zu. Selbst ein Kind der Moderne, unterliegt sie ihren Brüchen und inneren Widersprüchen, produziert sie begeisterte Gefolgschaft und unerbittliche Feindschaft bis auf den heutigen Tag. Insofern sind literarische Lobreden auf die Psychoanalyse geradezu charakteristisch für die europäische und amerikanische Moderne. Exemplarisch sei hier Thomas Mann zu nennen, der einerseits voller Bewunderung die Psychoanalyse in den Rang einer „Weltbewegung“ erhob, ihr andererseits im Zauberberg in der Person des Krokowski ein unsympathisches Denkmal gesetzt hat. Eine nicht unerhebliche Zahl von Autoren bezeichneten sich selbst, dem Zeitgeist entsprechend, als „Analytiker“, so bspw. Musil, Döblin, Schnitzler, um nur einige zu nennen. Und ihrer viele hatten sich selbst in Analyse begeben. Cum grano salis kann man aus heutiger Sicht feststellen, daß es kaum einen bedeutenden Autor der Moderne gegeben hat, der sich nicht auf die eine oder andere Weise mit der Psychoanalyse auseinandergesetzt hätte. Selbst schärfste Kritiker wie Hugo von Hofmannsthal oder Karl Kraus hatten stets auch ihrem Respekt gegenüber Freud und der Psychoanalyse Ausdruck gegeben. Musil titulierte Adler, Jung und Freud als „Pseudodichter“, worin Anz eine Anspielung auf eine ze