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Sich mit der Geschichte der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung zu befassen heißt, sich dem Trauma, das der Nationalsozialismus in der Geschichte der Psychoanalytischen Bewegung und ihren Institutionen hinterlassen hat, zu stellen. Die vorherrschende Geschichtslosigkeit, die Mißachtung der Rekonstruktionsarbeit im psychoanalytischen Prozeß, die moderne Überbetonung des Narrativen sind durchaus als ein Symptom zu verstehen, das dazu dient, die Bedeutung der nationalsozialistischen Vergangenheit nicht nur für die Patienten sondern auch für die Psychoanalytiker selbst zu verleugnen und damit möglichst ungeschehen zu machen.
Wer sich in seiner Arbeit an der Geschichte auf Freud berufen will, muß sich mit dessen Entdeckung der Nachträglichkeit auseinandersetzen: Ein Trauma ist dadurch gekennzeichnet, daß es psychisch dann und dort nicht gebunden werden kann, wo es tatsächlich geschieht; es wird erst in der Form der Nachträglichkeit, zu einer anderen Zeit, mit aller Stärke ausbrechen und sich zeigen. Das Phänomen der Nachträglichkeit bedingt eine Unsicherheit über historische Zusammenhänge und ihre Bedeutung, die grundsätzlich unaufhebbar bleibt, was für individuelle, aber auch für gesellschaftliche oder Institutionen betreffende Katastrophen gilt. Die Erinnerung an Vergangenes kann nur vom Verständnis der jeweiligen Gegenwart aus entworfen werden, wobei nicht objektive Tatsachen wiedergefunden werden können, sondern das, was zu einem früheren Zeitpunkt in bestimmter Weise bereits verstanden worden war. Diese früheren Interpretationen, Übersetzungen von Realem, müssen, mehr oder weniger gut, von neuem verstanden werden. Trotz aller unaufhebbaren Unsicherheiten und Schwierigkeiten bleibt das gültig, was E. Brainin und Isidor J. Kaminer 1982 bereits zu Beginn der Auseinandersetzung mit der Geschichte der Psychoanalyse während des Nationalsozialismus geschrieben haben:
„Was die Rekonstruktionsarbeit für die Identitätsfindung unserer Patienten bedeutet, muß im gleichen Maß fü