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Nahezu fünfzehn Jahre seines Lebens hat der Psychoanalytiker August Aichhorn als Erziehungsberater gearbeitet. Was die äußeren Bedingungen dieser Tätigkeit betrifft, so konnten sie unterschiedlicher kaum sein: stand er zunächst als Beamter der Ersten Republik im Staatsdienst, so fungierte er in der Periode des „Austrofaschismus“, genauer, zwischen 1932 und 1938, im Rahmen der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) gleichsam als Selbständiger in einer privaten Organisation. Wenngleich er in beiden Fällen die Beratungsstelle leitete, gelang es ihm erst in der WPV - wo er weitgehend autonom agieren konnte - durchzusetzen, was im Jugendamt zumindest offiziell der Anlaß für Spannungen war und letztlich zu seinem Ausscheiden führte: seine Bestrebungen, Praxis und Theorie zu verknüpfen, Ausbildung und Beratung an einem Ort zu vereinen. Andererseits hätte Aichhorn die Erziehungsberatungsstelle der WPV niemals in dem breiten Rahmen aufbauen und leiten können, hätte er nicht auf seine im Jugendamt gewonnenen Erfahrungen zurückgreifen und aufbauen können. Im folgenden geht es nicht allein um eine kurze Darstellung der Entwicklung der Beratungsstellen - eines bislang weitgehend unbekannten Kapitels im Leben August Aichhorns - sondern ebenso um die Konflikte, mit welchen der Analytiker sich im Zuge seiner Tätigkeit konfrontiert sah.
Nur wenige Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, im Frühjahr 1923, ist August Aichhorn ins Jugendamt der Stadt Wien berufen und mit der Organisation der Beratungsstellen beauftragt worden. Der Erzieher