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Aichhorns Arbeit ist für einen Aspekt in der Geschichte der Psychoanalyse von großem Interesse: den der Begriffsschicksale von der Vorkriegszur Nachkriegszeit; ihre Lektüre gibt Aufschluß über die Bedeutung der Zäsur, die durch den Nationalsozialismus entstand. Seine Texte und seine Biographie stellen dafür ein wichtiges Material dar. Seine Arbeit ist aber nicht nur aus historischen Gründen interessant, sondern unter anderem auch weiterhin wichtig, weil er aufgrund seiner Arbeitsrichtung, der psychoanalytischen Pädagogik, den Affekt auf eine originelle Weise in seine Praxis eingebaut hat. Ich werde mich in meinem Beitrag mit diesen beiden Problemstellungen beschäftigen.
Ich habe vier Texte ausgewählt, die ich der Reihe nach vorstellen werde. Der erste ist Aichhorns Antrittsvorlesung in der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) vom 21. Juni 1922 mit dem Titel „Über die Erziehung in Besserungsanstalten“. Der zweite ist ein Zeitschriftenaufsatz „Verwahrlosung und Erziehungsberatung“, den Aichhorn 1940 als Auftragsarbeit für das Deutsche Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie in Berlin verfaßt hat. Der dritte Text ist ein hochinteressantes historisches Dokument, ein Brief Werner Kempers an Aichhorn über Sprachregelungen. Der vierte schließlich ist ein Aufsatz eines sonst nicht bekannten Autors, Gerold Thies, in der „Psyche“ von 1950, der den Titel „Verwahrloste Jugend“ trägt. Es schien mir von einigem Interesse zu sein, diesen Text auf die verwendeten Begriffe hin zu untersuchen und ihn zu Aichhorn in Beziehung zu setzen. Denn der Autor hat für seinen Aufsatz keinen geringeren Titel gewählt als „Verwahrloste Jugend“, was immerhin das Hauptwerk seines Vorbildes ist.
In seinem Vortrag über Erziehung in Besserungsanstalten (Arch. Nr. 10722)2 legt Aichhorn für ein psychoanalytisch orientiertes Publikum seine Theorie und Praxis der Fürsorge-Erziehung dar. Ich werde hier nicht den Vortrag in allen seinen Gedankengän