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Die Vernichtung der Psychoanalyse in Wien wurde als eine Niederlage empfunden und verstanden, weil gerade die psychischen Tendenzen gesiegt hatten, gegen deren gesellschaftliches Wirklichwerden das Engagement und die theoretische und praktische Anstrengung der Wiener Psychoanalytiker gerichtet gewesen war. Sie vertraten in ihrer Arbeit an der Psychoanalytischen Bewegung eine Auffassung, wie sie etwa in Thomas Manns Achtung, Europa! deutlich wird:
„Das Kollektive ist bequeme Sphäre im Vergleich mit dem Individuellen, bequem bis zur Liederlichkeit; was das kollektivistische Geschlecht sich wünscht, sich gönnt und bewilligt, sind die immerwährenden Ferien vom Ich. Was es will, was es liebt, das ist der Rausch […] Diese Jugend liebt das allem persönlichen Lebensernst enthobene Aufgehen im Massenhaften um seiner selbst willen und kümmert sich um Marschziel nicht viel. […] Der vom Ich und seiner Last befreiende Massenrausch ist Selbstzweck; damit verbundene Ideologien wie ‚Staat‘, ‚Sozialismus‘, ‚Größe des Vaterlandes‘ sind mehr oder weniger unterlegt, sekundär und eigentlich überflüssig: Der Zweck, auf den es ankommt, ist der Rausch, die Befreiung vom Ich, vom Denken, genaugenommen vom Sittlichen und Vernünftigen überhaupt; auch von der Angst natürlich, der Lebensangst, die dazu drängt, sich kollektivistisch zusammenzudrücken, es menschenwarm zu haben und recht laut zu singen. […] Die Glückserfahrung des Dispenses vom Ich, der Enthobenheit aus aller Selbstverantwortung, gehört dem Kriege an …“1
Fenichel schreibt in seinen Rundbriefen2, daß Freuds Psychoanalyse zu jener allgemeinen Kulturrichtung, der liberalen Denkweise, zu zählen sei, die die Ideale des Primats der Vernunft und der vorurteilslosen Untersuchung der Wirklichkeit gegen religiöse Vorurteile, aber auch gegen einen Materialismus, der die tatsächlich existierenden psychischen Erscheinungen leugnet und damit der Magie überlassen müsse, gesetzt habe. Die von anderen Wissenschaften unterschiedliche Quantität und Qu