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Über die Geschichte der Psychoanalyse und die Rolle der Psychoanalytiker während des Dritten Reiches ist es erst auffallend spät zu genaueren Untersuchungen und ernsthaften, teilweise sehr heftigen Debatten gekommen. Den Anstoß dazu hatte die Entscheidung gegeben, den 34. IPV-Kongreß im Sommer 1985 in Hamburg stattfinden zu lassen. Man kann wirklich nicht sagen, daß die Psychoanalytiker beim Aufarbeiten ihrer eigenen Geschichte ein leuchtendes Vorbild waren. Von der Unfähigkeit, zu trauern, die Alexander Mitscherlich der deutschen Nachkriegsgesellschaft attestiert hatte, waren auch die Psychoanalytiker nicht ausgenommen, wie der Kasseler Psychoanalytiker Hartmut Radebold in einer bemerkenswerten psychohistorischen Studie gezeigt hat2. Was sich über das Tun und Wirken August Aichhorns während dieser Jahre sagen läßt, muß in zwei Kontexte gestellt werden, die sich nicht klar voneinander trennen lassen: in den Kontext der Ereignisgeschichte jener Jahre, und in den Kontext der Gedächtnisgeschichte, d. h. der Erinnerungen, Forschungen und Debatten über diese Ereignisse. Das Schicksal der Wiener Psychoanalyse in den Jahren 1938 bis 1945 und die Rolle, die August Aichhorn darin spielte, ist von der nationalsozialistischen Okkupation bestimmt gewesen. Sie müssen darum in den Kontext der deutschen Geschichte und der Debatte gestellt werden, die in den letzten Jahren über die Rolle der deutschen Psychoanalytiker geführt worden ist. Ich werde daher zunächst die Debatte über die deutschen Psychoanalytiker skizzieren, um mich dann August Aichhorn zuzuwenden.
Im April 1933 ließ Hitler, der gerade fünf Wochen an der Macht war, eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen verkünden, die ausdrücklich gegen „Juden“ und „Kommunisten“ gerichtet waren: Den Anfang machte am 7. April das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“,