You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Sigmund Freud hatte sechs Geschwister: Anna (1858-1955), Rosa (1860-1943), Maria2 (1861-1942), Adolfine (1862-1942), Pauline (1864-1942) und Alexander (1866-1943).3 Sie standen ihm unterschiedlich nahe, und die Beziehungen waren aufgrund von äußeren Einflüssen und Ereignissen oft Schwankungen unterworfen. Die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis von Freuds Verhältnis zu ihnen sind die Briefe, die er mit ihnen austauschte. Fast alle sind bisher unveröffentlicht (vgl. aber Fichtner 2003). Auch in den sogenannten Brautbriefen finden sich immer wieder Bemerkungen Freuds zu seinen Geschwistern. Neben der Korrespondenz gibt es nur wenige biographische bzw. autobiographische Arbeiten, die weitere Auskünfte bieten (Freud-Bernays o. J. [2004]; Kursidem o. J.; Tögel 1990).
Erstaunlicherweise sagt Ernest Jones in seiner Freud-Biographie (1953-57) so gut wie nichts über die Schwestern, nur hin und wieder etwas über Alexander. Auch in der von Freuds Sohn Ernst und dessen Frau Lucie herausgegebenen Briefauswahl (Freud 1960a) finden sich lediglich sechs Briefe Freuds an Geschwister, davon vier an Alexander. Briefe an die Schwestern Anna, Maria und Pauline sind überhaupt nicht aufgenommen worden.
Nun ist bekannt, daß z. B. Freuds Verhältnis zu seiner Schwester Anna nicht sehr herzlich war. Besonders belastet wurde es durch Freuds Stellung zu ihrem Mann Eli Bernays (vgl. zuletzt Behling 2002, S. 89 f.). An Pauline (Pauli) sind kaum Briefe erhalten, auch an Adolfine (Dolfi) gibt es nur sehr wenige; beide lebten ja auch wie ihr Bruder die meiste Zeit ihres Lebens in Wien. Aber für Freuds Schwester Maria, genannt »Mitzi«, die seit 1898 in Berlin ansässig war, ist die Quellenlage besser. Trotzdem erfährt man in der Freud-Literatur bisher wenig über sie.