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Martha Freud (1861-1951) stand ihrem Mann als »vollkommene Bürgersfrau« (Gay) zur Seite. Ihr Ehrgeiz war es, ihm »die Misere des Alltags aus dem Weg zu räumen«. Es blieb nicht unbemerkt, daß ihr Verständnis für das wissenschaftliche Werk von Sigmund Freud begrenzt war. Und doch darf man ihre Persönlichkeit - ihre Lebenstüchtigkeit bis ins hohe Alter, ihre sozialen Kompetenzen und integrativen Fähigkeiten in der Familie - nicht unterschätzen. Die gleichaltrige Lou Andreas-Salomé bewunderte an ihr, daß sie »von ihrem Wesens- und Wirkenskreis aus unbeirrbar das Ihrige erfüllt, immer bereit in Entschiedenheit und Hingabe, gleich weit entfernt von überheblicher Einmischung in des Mannes Aufgaben wie von Unsicherem oder Nebenstehendem«. Daher müsse man nachdenklich sein »über diese Dinge, bei denen wir ›frei‹ und ›familiengebunden‹ gewöhnlich falsch unterscheiden«. Diese Warnung vor einer klischeehaften Einschätzung hat Katja Behling in ihrer Biographie von Martha Freud ernst genommen und ihr Urteil durchgängig in der nötigen Balance gehalten.
Die Biographie gewährt eine Reihe neuer Einblicke in das Leben von Martha Freud. So erfahren wir, daß ihr Vater, als sie sechs Jahre alt war, seine Insolvenz erklären mußte und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Nach der Entlassung übersiedelte er 1869 mit seiner Frau und den Kindern Eli, Martha und Minna nach Wien, wo er Sekretär des bekannten Nationalökonomen und Staatsrechtlers Lorenz von Stein wurde. Zehn Jahre später erlag er im Alter von erst 53 Jahren einem Herzschlag. Seine Familie blieb beinahe mittellos zurück und lebte von der finanziellen Unterstützung durch die Geschwister des Vaters sowie von den Einkünften des 19jährigen Eli, der den Sekretärsposten des Vaters übernahm. Martha scheint kaum je über den dunklen Fleck auf der Weste ihres Vaters gesprochen zu haben.
Als die 20jährige Martha den fünf Jahre älteren Sigmund Freud kennen lernte, willigte sie schon nach zweimonatiger Bekanntschaft in eine heimliche Verlo