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»Kunst ist Kunst, und alles andere ist alles andere« - so wird der amerikanische Maler Ad Reinhardt zitiert. In Abwandlung dieses Wortes ist man versucht zu sagen: Psychoanalyse ist Psychoanalyse, und alles andere ist alles andere.
Herbert Will, der mit seinem Buch einen informativen und gediegenen Überblick über die Entwicklung der Psychoanalyse seit Freud, über ihre Standards und Regeln (Deutung, Widerstand, Übertragung, Stundenfrequenz) sowie über deren Modifikationen im Laufe eines Jahrhunderts vorlegt, sieht das ganz anders. Für ihn gibt es keine »klassische«, gleichsam fixierte Psychoanalyse - was immer die Freud, Eissler & Co. postuliert haben -, sondern nur einen fortwährenden Prozeß des Lernens und der Veränderung in Theorie und Praxis, aus dem neue Maßstäbe und Anforderungen entstehen. Als »klassisch« gilt ihm allein eine bestimmte historische Formation der Psychoanalyse, nämlich die Epoche bis zu Freuds Emigration und Tod im Londoner Exil (S. 11). Alle nachträglichen Versuche, das geistige Erbe Freuds, in diesem Fall dessen Schriften zur psychoanalytischen Technik, zu »klassifizieren« und festzuschreiben, erklärt Will zu Usurpationen, die sich einem bestimmten historischen und kulturellen