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Die psychoanalytische Therapie war für Freud nur eines von mehreren Anwendungsgebieten der »neuen Psychologie«, die er geschaffen hatte. Nach dem Ersten Weltkrieg jedoch stellte er fest, daß das große Projekt einer Ausstrahlung seines Werks auf alle möglichen Geistes- und Sozialwissenschaften, für das er mit der Imago sogar eine eigene Zeitschrift gegründet hatte, nicht recht in die Gänge kam. »Tatsächlich«, schrieb er im November 1926 an Oskar Pfister, »gedeiht von allen Anwendungen der Analyse nur die eine, die Sie inauguriert haben, die auf die Pädagogik.«
Daß Freud seine Auffassung von der das Ärztliche übersteigenden Bedeutung seines Werks in der Debatte um die »Laienanalyse« durchzusetzen versuchte, ist bekannt. Bisher kaum erforscht war hingegen, daß es in den 20er und 30er Jahren - vor allem in Gruppen, die Freud direkt beeinflussen konnte, d. h. in Wien und Berlin - energische Versuche gab, die psychoanalytische Ausbildung von Pädagogen als einen eigenen Ausbildungsstrang, neben dem für Ärzte, zu etablieren. Diese Lücke unseres Wissens wird durch die Beiträge zum Themenschwerpunkt des vorliegenden Heftes gefüllt.
Thomas Aichhorn beschreibt, wie sich das Lehrinstitut der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung von Anbeginn dadurch auszeichnete, daß es Pädagogen anzog und unterrichtete, und wie diese Tradition 1933/34, nach mancherlei Widerständen, zu einem förmlichen Lehrgang für Pädagogen führte. Ruth Kloocke und Elke Mühlleitner untersuchen anhand einer Serie von Sitzungsprotokollen der Pädagogischen Arbeitsgemeinschaft am Berliner Psychoanalytischen Institut die Dynamik zwischen Analytikern und Pädagogen in dieser Gruppe und stellen deren namentlich bekannte Mitglieder vor. Die Gruppe wurde von Siegfried Bernfeld geleitet, der den betreffenden Wiener Impuls nach Berlin übertrug. Aber wie Freud gegenüber Pfister bemerkte, lagen die Anfänge der ganzen Arbeitsrichtung in der Schweiz. Daher bieten die durch persönliche Erinnerungen bereicherten Anmerkungen von Ve