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Manch einen mag angesichts der pragmatisch-praktischen Nüchternheit des neuen Tagungsortes (des Kongreßzentrums im Klinikum) anfangs ein Hauch von Wehmut überfallen haben, und dies um so mehr, als zum erstenmal Ernst Federn nur mit seinen guten Wünschen gegenwärtig war. Doch rasch wurde spürbar, daß letztlich das Konzept aufgegangen war: Trotz des vergrößerten Raumangebots und der gewachsenen Teilnehmerzahl stellte sich wieder die für wissenschaftliches Arbeiten so förderliche Mixtur aus sachbezogener Konzentration und persönlicher Begegnung her, die dieser in Deutschland einmaligen Tagung inzwischen ihr unverwechselbares Gepräge gegeben hat. Hier ein kurzer Bericht über das diesjährige Programm:
Wolfgang Hegener: Zur Bedeutung Michel Foucaults für die Geschichtsschreibung der Psychoanalyse trug einen grundlegenden Widerspruch gegen Foucault vor, der ab Mitte der 60er Jahre in der Psychoanalyse »nur« noch eine repressive Wissenschaft sah. Selbst wenn die Psychoanalyse in ihrer Thematisierung der Sexualität und ihrer therapeutischen Vorgehensweise einigen sozialen Unterdrückungsstrategien der bürgerlichen Gesellschaft ähneln mag (z. B. der Beichte), habe Foucault in seiner reduktionistischen Kritik ihren emanzipatorischen Kern verkannt.
Sylvia Zwettler-Otte: Fluctuat nec mergitur. Zur Rezeption der Psychoanalyse in Österreich 1895-1938 wiederholte bekannte Forschungsbefunde. Ihre positive Einschätzung der zeitgenössischen Freud-Rezeption fand im Publikum ein geteiltes Echo.
Ähnlich erging es Christfried Tögel: Die Analyse sozialer Netzwerke. Freud und sein Umfeld, der offenbar einen blanken Nerv traf, als er die Möglichkeiten und Grenzen einer computergestützten Netzwerkanalyse anhand der »Mittwochsprotokolle« zu demonstrieren versuchte und sich plötzlich - zu Unrecht, wie ich meine - im Fokus einer akademischen Methodendiskussion und -kritik wiederfand, in der eine vorurteilsfreie Bewertung dieses Forschungsinstrumentes verschenkt wurde.
Michael Schröter: Max Eitingon.