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Um es vorwegzunehmen: es handelt sich um ein für die Historisierung und frühe Theoriebildung der Psychoanalyse eminent wichtiges Buch. In ihm geht es um nicht weniger als um eine Dekonstruktion des Ödipuskomplexes und seines integralen Bestandteiles, des Kastrationskomplexes, und um deren Rückführung auf ein jüdisches Spezifikum, die Beschneidung. Die Axt an
das universelle Verständnis des Ödipuskomplexes zu legen, ist fürwahr ein gewagtes Unterfangen. Wie manche stilistische Geschraubtheiten vermuten lassen, ahnte der Autor, daß seine Thesen keineswegs nur wohlwollend, sondern auch ablehnend aufgenommen, wenn nicht als antisemitisch denunziert werden würden. So ist es denn auch gekommen.
Das Buch beginnt mit einer Untersuchung der Rolle, die die Beschneidung im »Haus Freud« gespielt hat. Schon hier fällt auf, daß Maciejewski schlecht beraten war, das eine oder andere Datum für seine Beweisführung überzustrapazieren: wenn etwa Jakob Freud seinem 35jährigen Sohn Sigmund 1891 die neu gebundene Philippson-Bibel dediziert und ihn damit in die genealogische Tradition stellt, in der Widmung aber den 7. Tag erwähnt, von dem an der Geist des Herrn ihn, Sigmund, umweht habe (S. 35), so ist dies gerade keine ungebrochene Anspielung auf die Beschneidung der Söhne, da die Beschneidung am 8. Tag nach der Geburt stattfand. Und wenn Jakob die besagte Widmung mit »Freid« unterzeichnete, dann muß man nicht gleich an eine Verstümmelung des Namens denken (so aber S. 56); der alte Freud hatte sich einfach so geschrieben, wie er sich aussprach, und im 19. Jahrhundert nahm man es damit noch nicht so genau.
Die von Maciejewski zusammengetragenen Hinweise lassen es naheliegend erscheinen, daß Freud um die für die jüdische Denkungsart konstitutive Beschneidung wie auch um deren Risiken wußte. Dem Akt der Beschneidung hielt er die »Heimlichkeit der gleichen seelischen Konstruktion« (S. 306) der Juden zugute, und was den Juden heimlich war, war den Unbeschnittenen das Unheimliche, das sich fü