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Das Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte widmet sich der deutsch-jüdischen Geschichte, der Zeitgeschichte und der allgemeinen deutschen Geschichte. Seine Autoren leben vorwiegend in Israel und Deutschland. In diesem Jahr wählte man den Themenschwerpunkt »Geschichte und Psychoanalyse«,
um dem »prominenten Stellenwert« (Zuckermann) der Psychoanalyse im Denken des 20. Jahrhunderts Rechnung zu tragen. Tatsächlich läßt sich aus der heterogenen Zusammenstellung von Aufsätzen ahnen, welchen weiten Verständnisbogen das Begriffspaar »Geschichte und Psychoanalyse« spannt.
Die Arbeiten, die Fragen der Geschichte der Psychoanalyse behandeln, lassen sich noch am leichtesten dort einordnen: Müller/Ricken gehen der Rezeption von Mitscherlichs Texten und Wirken in Nachkriegsdeutschland nach; Zalashik untersucht die Stellung des frühen Psychoanalytikers Wulf Sachs innerhalb der Ethnopsychiatrie; Brainin/Teicher beschäftigen sich mit dem Selbstverständnis der österreichischen Psychoanalytiker nach 1945; Timm versucht am Beispiel des Ausschlusses von Wilhelm Reich aus der IPV zu zeigen, daß die Methoden der Psychoanalyse und der historischen Sozialforschung auf fruchtbare Weise zusammenwirken können. Der einzige Artikel, der von der Qualität her gegen die vorher genannten abfällt, ist der von Neumann über Psychoanalyse und Hypnose in der Weimarer Republik.
Ebenfalls leicht unter dem Titel des Bandes subsumierbar sind die Arbeiten, in denen es um psychoanalytische Theoriegeschichte geht - z. B. um die Bedeutung älterer und neuerer Konzepte der Entwicklungspsychologie für die Sozialwissenschaften (Gebhardt) oder historische Wurzeln der Begriffe Es und Ich und deren ideengeschichtliche Parallele zum Marxschen Begriff des Kapitals (Kittsteiner). Auch die Versuche, mit psychoanalytischen Begriffen geschichtliche Ereignisse oder Prozesse verstehbar zu machen - z. B. der Versuch einer Annäherung an die Shoah mit Freud, Max Weber und Kohut (Loewenberg) oder die Untersuchung der mehr od