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London, den 2. April 1947.
3. Adamson Rd. N.W. 3.
[…] Nun hören Sie, verehrter lieber Herr Stuffer, Ihnen als gutem und bewährten Freund der Familie möchte ich mich anvertrauen und Ihren so kenntnisreichen Rat erbitten. Diesmal für mich selbst!
Sie wissen ja, daß ich mein Leben lang als Vertreterin internationaler Poesie und Prosa auf den Podien des Kontinents gearbeitet habe. Als Diseuse - Hier in England habe ich auch noch eine Zeitlang gearbeitet - mit schönem Erfolg, aber da drängte sich plötzlich ein anderes Ventil für meine künstlerischen Fähigkeiten vor. Und ich setzte mich nieder und habe nun seit über zweieinhalb Jahren ein Buch geschrieben. Das wäre natürlich nichts so Überraschendes oder Besonderes. Aber das Thema ist ein ungewöhnliches und wird vielleicht aufhorchen machen. Sie wissen ja, daß mein armes Mutterl die Schwester vom großen Psychoanalytiker Professor Sigmund Freud war, und mein Vaterl war sein Cousin - Nun habe ich ein Buch geschrieben. Den Titel noch nicht gegeben. Aber es kreist um Freud. Es ist wohl die erste Biographie von ihm, die nichts mit seiner wissenschaftlichen Arbeit zu tun hat und nur mit seiner Persönlichkeit und mit dem Leben seines Tages - seiner Umgebung und seiner Zeit zu tun hat. Es umschließt also von seinen Ahnen angefangen - bis über seinen Tod hinaus, er starb in London 1939, mehr als ein Jahrhundert. Das Buch, das kurz vor seinem Abschluß steht, enthält auch sehr sehr viel Zeitkolorit und soviel von meinem Leben, als es in Verbindung mit Onkel Sigi steht - Briefe und Photographien bereichern die Illustration des Buches.
Im Jahre 1943 interessierte sich ein bekannter englischer Verlag sehr für die Herausgabe des Buches. Aber das war die Zeit, wo ich es erst geplant hatte. Nun war es unmöglich, diese Aufgabe in kurzer Zeit zu lösen. Namentlich unter den Verhältnissen, unter welchen es zum Teil begonnen und geschrieben wurde.
Bomben etc. etc. Lebensgefahr oft Tag und Nacht!!! etc. Schweigen über das