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Marianne Brentzels Arbeit erschien zuerst 2002 unter dem Titel Anna O. - Bertha Pappenheim im Wallstein-Verlag und liegt nun auch in einer textgleichen, preiswerteren Taschenbuchausgabe vor. Die kleine Veränderung des Titels ist wohl ein kommerzielles Zugeständnis.
Anna O. = Bertha Pappenheim, Josef Breuers berühmte Patientin, gilt als »die eigentliche Entdeckerin der kathartischen Methode« (E. Jones). Mit ihrer Krankheit und ihrer Behandlung beginnen noch immer zahlreiche Darstellungen der Geschichte der Psychoanalyse, und seit Jones ihre Identität enthüllte, wissen wir, daß sie später eine höchst aktive Schriftstellerin, Sozialarbeiterin und Protagonistin der Frauenbewegung geworden ist. Ihr Leben und ihre Krankheit waren schon mehrfach Gegenstand historischer Darstellungen wie auch literarischer und filmischer Rekonstruktionsversuche. Während die Auseinandersetzung unter den Historiographen der Psychoanalyse sich häufig um die »richtige« Diagnose ihrer Krankheit und die Wirksamkeit der Behandlung Breuers drehte, gingen andere vom späteren Leben Bertha Pappenheims aus und traten dem Bild von der (nur ungenügend geheilten) Patientin entgegen.
Marianne Brentzel bringt beide Sichtweisen, den Blick auf die junge Patientin und die Betrachtung der Lebensleistung der erwachsenen Frau, überzeugend zusammen. Sie behandelt zunächst die Wiener Jahre von Bertha Pappenheim, ihre Herkunft und Familiensituation, die Geschichte ihrer Erkrankung und ihrer Behandlung durch Breuer. Es folgt eine sorgfältige und detaillierte Darstellung ihrer Frankfurter und Neu Isenburger Jahre, ihrer umfassenden Arbeit in der jüdischen Frauenbewegung, im Engagement für jüdische Kinder und Frauen, im lebenslangen Kampf für die Rechte der Frau und gegen den organisierten Mädchenhandel. Ein ausführliches Kapitel widmet sich schließlich den vielfältigen Interpretationen, die die Geschichte von Anna O. bzw. Bertha Pappenheim innerhalb der Psychoanalyse und insbesondere auch durch deren Kritiker erfahren h