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Man muß »einen Text lebendig werden lassen durch das, was folgt, und durch das, was ihm vorausgeht. Man muß einen Text immer von dem her verstehen, was ihm folgt«. Mit diesen Sätzen Lacans, so hält die Autorin fest, sei das Motto ihrer Arbeit gut umschrieben, die sich zum einen mit der Theorie und Geschichte des Freudschen Entwurfs von 1895 und zum anderen mit Lacans Lektüre dieses Textes nach 1950 beschäftigt. Leitend für die Rekonstruktion ist dabei ein gleichsam medientheoretischer Ansatz, so wie er von Friedrich Kittler vertreten wird. Freud und Lacan konstruieren nämlich, entsprechend der jeweiligen und von Wegener kenntnisreich nachgezeichneten Technikentwicklung, einen psychischen Apparat (Freud) bzw., unter High-Tech-Bedingungen, eine symbolische Maschine (Lacan). Erst dadurch, daß Wegener den Entwurf von den Entwicklungen der Technik und Mathematik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und von Lacan her, also nachträglich liest, kann sie dessen verkannte und verdrängte Bedeutung ermessen. Vor allem die bisherigen Lektüren, die ihn zur noch neurologisch ansetzenden Vorgeschichte der Psychoanalyse rechnen und damit ausgrenzen wollen, gehen fehl. Die Autorin nimmt hingegen die Rede vom Apparat ernst und zeigt, daß nur sie eine Verkörperung für die gänzlich irreflexive Funktionsweise des Seelischen bereitzustellen vermag, die Freud das »Unbewußte« nennt. Wie bei Lacan etwa 50 Jahre später wird schon bei Freud der »psychische Apparat« in der purifizierten Form einer buchstäblichen Ordnung (φψω) konstruiert, die als formale Kombinatorik funktioniert. Lacan wird dies mit Hilfe der Kybernetik noch weiter radikalisieren (seine Kombinatorik lautet αβγδ) und das Seelische als Schreib-Maschine zur rein formalen Prozessierung von Graphemen, zur Entzifferung von Geheimschriften deuten und damit die Psychoanalyse als Konjekturalwissenschaft verstehen.
Als eine Geheimschrift liest Wegener