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In ihrem schönen neuen Buch befaßt sich Ilse Grubrich-Simitis mit dem Aufsatz »Der Moses des Michelangelo« von 1914, den Freud gegenüber Ferenczi als »Wagstück« beschrieb. Der Untertitel bezieht sich auf ihre Gegenüberstellung von Wort und Bild, Michelangelos Statue und Freuds Text, von Kunst- und Psychoanalysegeschichte, der Restaurierung des Grabmals von Julius II. in S. Pietro in Vincoli und der Rekonstruktion von Freuds Innenleben. Grubrich-Simitis arbeitet überzeugend heraus, daß Freud den Moses des Michelangelo in eine unbiblische Ikone der Selbstbeherrschung verwandelte, ein Ichideal für sich selbst während seines Bruchs mit Jung.
Freud war sich der Kühnheit seiner Deutung und seiner mangelhaften kunsthistorischen Kenntnisse bewußt und veröffentlichte deshalb seinen Aufsatz zunächst anonym - mit einer von ihm selbst verfaßten redaktionellen Vorbemerkung (faksimiliert auf S. 38 f.), die auf die Ähnlichkeit zwischen der Denkweise des Autors und der Technik der Psychoanalyse hinweist. Die Erörterung dieser Anonymisierung und der ungewöhnlich häufigen Verwendung der 1. Person Singular ist einer der besten