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Die »Freud-Adler-Kontroverse« (Handlbauer) bildet den Ausgangspunkt der vorliegenden fünf Studien. Am einheitswissenschaftlichen Modell der Naturwissenschaften orientiert, gab es für Freud in der Psychoanalyse nur eine Wahrheit, und sie sah er in erster Linie durch seine Lehre von den Wandlungen der Libido verbürgt. Diesen Wahrheitsanspruch relativierte Adler seinerzeit und berief sich dabei auf Nietzsches Leitidee vom »Willen zur Macht«. Bekanntlich führte die Polarisierung von Lustprinzip, Libido und Verdrängung versus Machtstreben, »männlichem Protest« und Kompensation zur ersten Spaltung in der Geschichte der Psychoanalyse.
Mit der Kritik der Freudschen Triebtheorie verband sich bei Adler eine erkenntnistheoretische Neuorientierung, für die - neben Kant und Vaihinger - wiederum Nietzsche Pate stand. Für Nietzsche sind Realität und Wahrheit nicht etwas faktisch Gegebenes und nur zu Findendes, sondern etwas erst zu Schaffendes und zu Erfindendes. Wenn die Wahrheit keine Eigenschaft der Realität ist, dann gibt es keine Erkenntnis im Sinne allgemeingültiger Erklärungen, sondern nur perspektivische Deutungen und Konstruktionen der Realität. Mit dem Titel »Kreativität und Determination« spielen Almuth Bruder-Bezzel und Klaus-Jürgen Bruder auf diese epistemologische Differenz an. »Der je andere Umgang mit Nietzsche erweist sich als mentale Differenz zwischen Freud und Adler und insofern als Grundlage ihres Dissenses« (S. 10).
Die beiden AutorInnen erkennen bei Adler einen »Konstruktivismus«, der in seinen Kategorien der schöpferischen Kraft, der Fiktionalität und des Machtstrebens zutage tritt, und ziehen von da aus einen Bogen zu namhaften Vertretern der neueren Psychoanalyse wie Merton Gill, Stephen Mitchell, Robert Stolorow und Roy Schafer, die, in vergleichbarer Weise triebkritisch, intersubjektiv und konstruktivistisch ausgerichtet, den Freudschen Essentialismus in Frage stellen. Dabei sei zu beobachten, daß sich die Befürworter und die früher als Revisionisten vers