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»Der Raum ist die bedeutungslose Hülle des psychoanalytischen Prozesses - so etwa lautet das nirgends schriftlich niedergelegte Credo, das die Diskussion in sämtlichen psychoanalytischen Fachgesellschaften grundiert« (S. 153). Diesen Satz möchte Guderian in ihrem Buch, das aus einer Dissertation hervorgegangen ist, widerlegen, und mit diesem Ziel sammelt sie eine beeindruckende Fülle von Material. Breit angelegt sind ihre Überlegungen zum gestalteten Raum, der ein bestimmtes Klima ausstrahlt, und zum erlebten Raum, in den das psychoanalytische Setting gestellt ist. Von Darstellungen aus der Ethnologie über Pilgerreisen und der Suche nach der Weltenmitte geht die Reise bis zur Pilgerfahrt nach innen, im analytischen Raum. Zur Wortgeschichte der Couch und der umgebenden Begriffe wie Sofa, Kanapee oder Diwan wird Material aus Historie und Dichtung zusammengetragen. Ein Kernstück der Arbeit bilden dann Interviews mit 20 ehemaligen Analysanden. Anhand der von ihnen erinnerten Eindrücke entwickelt Guderian das Konzept eines fünfstufigen (Erlebnis-)Raumes, der regelhaft in strenger Reihenfolge durchschritten wird, falls der analytische Prozeß nicht vorzeitig zum Stillstand kommt. Sie gelangt dabei zu recht weitreichenden Schlüssen, zum Beispiel: »Die Theorie des fünfstufigen Raumes erlaubt es dem Analytiker, anhand der Äußerungen zum Raum genau zu bestimmen, in welchem Raum, und mithin: in welchem analytischen Stadium sein Analysand sich gerade befindet« (S. 204).
Der historisch interessierte Leser erfährt von Guderian, daß Madame Benvenisti im Jahr 1890 oder 1891, als Freud noch nicht in der Berggasse behandelte, ihre Dankbarkeit gegenüber ihrem Seelenarzt dadurch ausdrückte, daß sie ihm die Couch schenkte, die Freud dann zur Basis seiner psychoanalytischen Praxis machte. Daß Freud in insgesamt 20-30 Räumen behandelt hat, dürfte noch weniger bekannt sein. Gelegentlich bietet das ansonsten sorgfältig gearbeitete Buch auch Sprachbilder, die dem Leser ein stirnrunzelndes Schm