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Der Band stellt eine Chronique scandaleuse der Psychoanalyse zusammen: die Geschichte von Marilyn Monroe, die fünf Analytiker nicht vor dem Selbstmord bewahren konnten, Beispiele, wie Analytiker ihre eigenen Kinder analysiert, in einer Ménage à trois gelebt oder zu Patientinnen sexuelle Beziehungen aufgenommen haben, manipulierte Fallgeschichten, Analytikerselbstmorde. Alles ist der gängigen Sekundärliteratur entnommen. In der Form des Zitats kann der Autor die haarsträubendsten Spekulationen wiedergeben, ohne eine Verantwortung dafür zu übernehmen. Seine Haltung ist manifest neutral; er behauptet, der Frage nachzugehen, wieweit all diese Vorfälle zum Wesen der Psychoanalyse gehören. Tatsächlich erzählt er, unter einem Firnis scheinbarer Reflexion, nichts weiter als eben Skandalgeschichten. Diese handeln teilweise gar nicht von Analytikern, sind sehr disparat und bisweilen ohne Zusammenhang mit irgendeiner Fragestellung (z. B. Eitingon und der stalinistische Geheimdienst). Im Detail finden sich jede Menge Schlampigkeiten: wer hat bisher gewußt, daß Fenichel ein Analysand von Freud war (S. 44) oder daß Balint aus Ungarn in die USA emigrierte (S. 100)? Meine Lieblingsstilblüte, anschließend an die referierte These, daß Anna Freud mit Dorothy Burlingham eine lesbische Beziehung gehabt habe (S. 55): »Damit hätte Anna Freud zumindest eines der drei Merkmale erfüllt, die wichtig waren, um als Psychoanalytikerin an der Hampstead Clinic in London zu praktizieren, die sie selbst gegründet hatte: Man mußte überdurchschnittlich intelligent, jüdisch und lesbisch sein.« Der Autor ist laut Waschzettel »Vize-Rektor der Universität Florenz, wo er Allgemeine Psychologie lehrt«. Dies ist die größte Überraschung an dem flotten, unseriösen Werk.
Michael Schröter (Berlin)