You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Untersuchung der Rezeption der Psychoanalyse in verschiedenen Fachdisziplinen, darunter auch der Philosophie, hat sich bisher im wesentlichen auf den europäisch-nordamerikanischen Raum beschränkt. Im Gegensatz dazu untersucht das vorliegende Buch, eine Tübinger medizinische Dissertation, die Reflexion der Psychoanalyse in den Werken eines indischen Philosophen, der zunehmend Berücksichtigung im akademischen Bereich findet, vorrangig in der Philosophie und Pädagogik. Krishnamurtis Lebensdaten (1895-1986) überschneiden sich teilweise mit denen Freuds und anderer Analytiker. Wichtiger ist, daß Krishnamurti nicht nur eine Reihe psychoanalytischer Begriffe benutzt, sondern auch Fragen bearbeitet, die in der Psychoanalyse eine Rolle spielen. So analysiert er den Zusammenhang von Bewußtsein und Unbewußtem, forscht nach den Möglichkeiten der Selbsterkenntnis und fragt nach der Genese von Konflikten und Ängsten sowie nach deren Heilung. Aber Krishnamurti, der von 1911 bis 1927 Mitglied der »Theosophischen Gesellschaft« war, um sich schließlich von ihr im Streit zu trennen, kommt in seiner Philosophie zu ganz anderen Einsichten und Folgerungen als die Psychoanalytiker. Diese Differenz will Klink herausarbeiten.
Methodisch geht er so vor, daß er in allen Schriften Krishnamurtis psychoanalytische Begriffe nach Häufigkeit und zeitlicher Abfolge identifiziert. Er ordnet die Texte, in denen diese Begriffe auftauchen, nach Themen und Thesen und wertet dann seine Anthologie von Kurztexten Krishnamurtis zur Psychoanalyse aus. Unter der Kategorie »Selbsterkenntnis« stellt er 62, unter »Negativ« 29, unter »Beeinflussung« 15, unter »Hilfe« 13, unter »Bewußtes und Unbewußtes« 10, unter »Lektüre« 4 und unter »Sonstiges« 15 Dokumente zusammen. Diese (englischen) Texte werden in die Hauptabschnitte »Erwähnungen zu Freud«, »Erwähnungen zum Begriff Psychoanalytiker«, »zum Begriff Psychoanalyse« und »zum Begriff Psychoanalytisch« eingeordnet. Klinks qualitatives Verfahren bringt keine reine