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Nach Erscheinen des ersten Bandes der Korrespondenz zwischen Freud und Ferenczi hat es sage und schreibe zwölf Jahre gedauert, bis der Leser sich ein vollständiges Bild von diesen Briefen machen konnte. Warum der Verlag für den Abschluß der deutschen Edition, die ja auf die Originalien zurückgreifen konnte, einen derart großen Zeitraum brauchte, während die französische und die englische Ausgabe, für die der Briefwechsel erst übersetzt werden mußte, bereits im Jahr 2000 komplett vorlagen, bleibt sein Geheimnis. Angesichts der Bedeutung dieses Briefwechsels für die Frühgeschichte der Psychoanalyse muß man schon von einem Skandal sprechen.
Von allen Schüler-Korrespondenzen Freuds dürfte die mit Ferenczi nicht nur ihres schieren Volumens (1246 Stücke) wegen nach oder neben der mit C. G. Jung die gewichtigste sein. Während der Briefwechsel mit Jung, über einen relativ kurzen Zeitraum ( bis ), aber äußerst intensiv geführt, bereits vor dem Ersten Weltkrieg mit dem definitiven Zerwürfnis der Korrespondenten endet, erstreckt sich Freuds Austausch mit Ferenczi über volle 25 Jahre (1908-1933) und damit über eine Periode, die den internationalen Durchbruch und den Triumph der Psychoanalyse in den 1920er Jahren markiert. Freilich läßt sich auch die qualitative Differenz der beiden Korrespondenzen leicht beschreiben. Jung, der begabte Schweizer, begegnet Freud auf gleicher Augenhöhe, zumindest dem Anspruch nach, während Ferenczi, der nicht minder begabte Ungar, zeitlebens in der Rolle des Schülers und »Sohnes« verharrt, aus der er trotz aller Anstrengungen nie heraustritt. Freud bleibt für ihn der »Vater«, um dessen Liebe und Anerkennung er ringt und von dem Ablösung und »Entwöhnung« (III/1, S. 135) kaum möglich zu sein scheinen. Das verleiht diesem Briefwechsel einen durchaus tragischen Beiklang, denn Freud war nur in Maßen bereit und fähig, dem Jüngeren zu geben, was dieser ersehnte.
Im Zentrum der Nachkriegsphase der Korrespondenz, die gegen Ende an Dichte und Frequenz verlie