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Jean Paul prägte die sprechende Formulierung vom »wahren inneren Afrika« für das Unbewußte, die den Titel dieses Buches geliefert hat. Auch wenn die Tatsache, daß der Begriff des Unbewußten schon lange vor Freud in Philosophie, Ästhetik, Physiologie und Psychopathologie zirkulierte, heute allgemein bekannt ist, so ist doch die Arbeit an seiner historischen und gegenwärtigen Bestimmung keineswegs abgeschlossen. Um so erfreulicher, daß die Sammlung philosophischer Texte zum Unbewußten aus dem 19. Jahrhundert, die der Publizist und Schopenhauer-Experte Ludger Lütkehaus erstmals 1989 herausgegeben hat, nun wieder (in einem unveränderten Nachdruck) zugänglich ist.
Die Lektüre dieser Originalquellen ist durch keine Zusammenfassung zu ersetzen und zudem höchst spannend. Hier läßt sich nicht nur der Wandel der Auffassung des Unbewußten innerhalb eines Jahrhunderts nachvollziehen, sondern auch der Unterschied in Stil, Metaphorik und »Kartographie« des Feldes zwischen Schelling, Jean Paul, Herbart, Schopenhauer, Carus, von Hartmann, Nietzsche, Lipps u. a. im einzelnen studieren. Die locker geschriebene, ausführliche Einleitung von Lütkehaus steckt den größeren Horizont der Geschichte des Unbewußten ab und regt zu einer nicht nur komparativen, sondern auch kontrastiven Lektüre der Textausschnitte an.
Mai Wegener (Berlin)