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Auf dem witzigen Cover schwebt eine Analysandin eine Handbreit über der Couch und kommt gar nicht dazu, sich hinzulegen - ein passendes Bild für den Titel von Tögels »Freud für Eilige«. Zum Text paßt es weniger, denn Tögel hat sich niedergelassen und ist angekommen, bei Freud und in dessen Schriften. Natürlich ist sein Unternehmen, einen »raschen« Überblick über Freud zu geben, dem Wesen nicht nur der Psychoanalyse, sondern der Wissenschaften überhaupt entgegengesetzt, die von der eingehenden und anhaltenden Beschäftigung mit ihren Gegenständen leben. Aber es ist doch auch eine nicht gering zu schätzende Fähigkeit, einer breiten Leserschaft mit knappen Worten einen ersten Eindruck von einer Materie zu verschaffen.
Das ist Tögel in diesem Buch gelungen. Kundig und unterhaltsam führt er den Leser durch Freuds Leben und Werk. Seine besondere Neigung gilt zweifelsohne dem Biographischen, und hier hat er auch für Insider Überraschungen parat. Was die Darstellung von Freuds Lehre angeht, so zeichnet sie sich dadurch aus, daß sie nicht jene bis ins Detail ritualisierte Darstellung wiederholt, die wir häufig vorgesetzt bekommen. Tögel wirft einen neuen, frischen Blick auf Freuds Oeuvre und stellt die wichtigsten Schriften kurz dar. In der Sache allerdings würde ich ihm öfters widersprechen, z. B. seiner Sicht der Theorieentwicklung in den 1890er Jahren, die er auf die psychologische Theorie der Traumdeutung einengt; seiner Darstellung der libidinösen Entwicklung, bei der die ödipale Phase vergessen und mit der phallischen gleichgesetzt wird; oder der Ausklammerung von Freuds Theorie des Narzißmus. Ein umfangreicher Anhang gibt u. a. eine detaillierte Chronologie, wiederum mit Schwerpunkt bei der Biographik, eine Kurzdarstellung der bekanntesten Fallgeschichten Freuds sowie einige Kostproben von Freuds Briefen.
Ulrike May (Berlin)