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Spur und Umschrift ist ein ungewöhnlich konsequentes Buch, besonders auf dem Feld der Psychoanalyse. Ilka Quindeau betreibt Textarbeit - und das mit einer Genauigkeit, einem Ernst und einer Hingabe, die selten sind. Sie wägt Texte, stellt sie nebeneinander, verknüpft sie, legt ihre Folgerungen schlüssig dar und vermittelt dem Leser dadurch ihre Lust am Verstehen und Weiterdenken. Niemals stellt sie sich außerhalb der Texte, indem sie beispielsweise versucht, sie über den lebensgeschichtlichen Hintergrund des Autors zu »verstehen«. Es geht um die Untersuchung des Wesens und der Funktion von Erinnerung, vor allem bei Freud, zum Vergleich und zur Gedankenerweiterung auch bei den Soziologen G. H. Mead und Maurice Halbwachs und schließlich bei dem Psychoanalytiker Jean Laplanche: Wie entsteht eine Erinnerung? Welche Rolle spielt sie beim Aufbau der Psyche und des Körpers? Welche Bedeutung hat Erinnerung für die Interpretation der Vergangenheit und den Entwurf der Gegenwart und der Zukunft? Aus psychoanalysehistorischer Perspektive ist interessant, daß Quindeau, die einen konstruktivistischen Ansatz bevorzugt, Freuds Texte - ob es um den »Entwurf« von 1895 oder um den Mann Moses von 1939 geht - ungeachtet ihres Erscheinungsdatums behandelt und so ihre These von der Gleichberechtigung aller Erinnerungen auch praktisch anwendet.
Quindeau findet bei Freud ein widersprüchliches Konzept von Erinnerung, in dem traditionelle Abbild- und Speichervorstellungen unvermittelt neben (später so bezeichneten) »konstruktivistischen« Erinnerungstheorien stehen. In ähnlicher Weise wechselt Freud zwischen solchen Denkbewegungen, die das Subjekt dezentrieren (durch das Konzept des Unbewußten) und solchen, die es wieder rezentrieren (wie durch die Wichtigkeit, die dem Ich zugesprochen wird). Quindeau verknüpft diese beiden Stränge und integriert ihre scheinbare Widersprüchlichkeit in der These, daß es bei der lebenslangen Erinnerungsarbeit um einen Prozeß geht, in dem sich der rezentrische Pol