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Er sei im Irrenhaus »geboren und aufgewachsen«, habe fast sein ganzes Leben darin verbracht, nun aber habe er von ihm »Abschied genommen« (S. 76): mit dieser Feststellung, die einen individuellen und einen Lernprozeß der Zunft umreißt, beendet Christian Müller, der Nestor der schweizerischen Psychiatriegeschichte, sein neues Buch, in dem 18 zumeist kurze und bisher unveröffentlichte Texte versammelt sind. Es ist ein reichhaltiger Band, in einem schmucklosen, erfahrungssatten Altersstil geschrieben, bisweilen etwas knapp in den Literaturhinweisen, aber fast immer dicht an entlegenen oder archivalischen Quellenstücken gearbeitet. Die Mehrzahl der Texte behandelt psychiatrische Themen, z. B. die »Drehmaschine«, die Entwicklung »Vom Irrenwärter zum Psychiatriepfleger« oder die Berichte eines jungen deutschen Psychiaters von seiner Schweizer Assistentenzeit 1949; aber ein gutes Drittel fällt in den Bereich der Psychoanalysegeschichte.
Daß sich vier Beiträge auf Hermann Rorschach beziehen, ist kaum überraschend, da Müller eine Ausgabe von dessen Briefen mit-ediert hat. So stellt er Rorschach als Zeitungsautor vor, beschreibt die distanziert-respektvolle Beziehung zwischen ihm und Bleuler und bietet zwei biographische Skizzen über die Rorschach-Schüler Georg A. Roemer (der in der Geschichte der