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Dieser Sammelband bietet einen gelungenen Querschnitt der aktuellen, interdisziplinären Auseinandersetzung mit Leben und Werk des Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld. Die bisherige Rezeption ist offensichtlich in einigen Kernpunkten neu zu überdenken, wie etwa in bezug auf Hirschfelds Beziehung zu seinem Judentum, seine Haltung zur zeitgenössischen Frauenbewegung oder die Relevanz seiner Zwischenstufentheorie. Im folgenden
sei nur auf einige der hervorragenden Beiträge eingegangen.
Friedemann Pfäfflin führt aus, daß die Trennung zwischen Geschlechterrolle und Geschlechteridentität bereits in Hirschfelds Praxis stattfand und daß Hirschfeld auch in der Forschung zum Transvestitismus einflußreiche Pionierarbeit leistete. Im Zuge der vertieften Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich erfuhr die Hirschfeld-Forschung - parallel zu Entwicklungen in der Psychoanalysegeschichte - eine Desillusionierung. Wie Hirschfelds Haltung zur Eugenik und Zwangssterilisation beurteilt werden sollte, wird auch in anderen Beiträgen kontrovers diskutiert. So ordnet Andreas Seek sein »Phantom Rasse« in die zeitgenössische, heute verstörend wirkende Verbindung von sozialistischer Theorie und Eugenik ein. Atina Grossmann schlägt dagegen vor, sich nicht auf die Diskussion der Kontinuitätslinien zwischen Hirschfelds Biologismus und den nationalsozialistischen Sterilisationsgesetzen zu versteifen, sondern vielmehr die Verwandtschaft zwischen Hirschfelds Zielen und denen der feministischen Bewegung seiner Zeit zu würdigen. Auch Cornelie Usborne setzt sich mit Hirschfelds Beziehung zur Frauenbewegung auseinander und widerlegt die gängige Auffassung, daß Homosexualität allein der Schwerpunkt seiner Arbeit war.
Zwei Beiträge untersuchen Hirschfeld im Kontext zeitgenössischer Männlichkeitstheorien: Susanne zur Nieden beschreibt Heimsoths und Blühers theoretische Versuche, Männlichkeit und Heldentum in der Homoerotik zu retten, während Bernd-Ulrich Hergemöller auch auf Gemeinsamkeiten von Blüher